H. Das Europäische Amt für Betrugsbekämpfung (OLAF) und die Europäische Staatsanwaltschaft

Datum

26.11.2021

Lesezeit

3 Minuten

Autor

Autorin

Prof. Dr. Bernd-Peter Lange

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Über den Autor

Über die Autorin

Prof. Dr. Bernd-Peter Lange

Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Der Europäische Rechnungshof arbeitet mit dem von ihm unabhängigen Europäischen Amt für Betrugsbekämpfung OLAF mit Sitz in Brüssel zusammen. Die EU hat OLAF,  Office Européen de Lutte Anti Fraude 1999 gegründet. Institutionell ist OLAF als Generaldirektion der Kommission eingegliedert. Aber OLAF soll unabhängig arbeiten. Diese  Zwitterstellung: einerseits Teil der Kommission und andererseits gleichzeitig Behörde zu ihrer Überwachung ist sehr misslich.

Ein früher Skandal

CC BY-SA 3.0, Rue Joseph II

Zwischen 2001 und 2003 berichteten interne Rechnungsprüfer  über die sog. EuroStat – Affäre. OLAF spielte dabei keine gute Rolle, denn deren Bericht kam erst, nachdem der Skandal in der Presse erschien. Bei der statistischen Behörde der EU gab es schwarze Kassen. Denn Mitarbeiter  hatten diese mit fingierten Rechnungen gefüllt. Aus diesen schwarzen Kassen hatte das Statistische Amt der EU teure Freizeitaktivitäten seiner  Mitarbeiter finanziert. (Wikipedia, Eurostat scandal)

Der Europäische Rechnungshof legte 2005 einen Sonderbericht über OLAF vor. Dieser enthielt folgende Kritikpunkte: Unzulänglichkeit der internen Aufsicht; die Zusammenarbeit mit den Mitgliedsstaaten seit der Aufnahme des Zollsektors sei erheblich verbesserungsbedürftig; es fehle an einer unabhängigen Kontrolle in Bezug auf die Rechtmäßigkeit von laufenden OLAF Untersuchungen.

Dieser Bereich der Betrugsbekämpfung ist besonders sensibel und bedarf daher schonungsloser Aufsicht.

Logo, tps://de.wikipedia.org/w/index.php ? curid=1710682

Zusätzliche Kritikpunkte

Diese Behörde erscheint weiter in einem schlechten Licht. Denn Journalisten, die die mediale Aufsicht wahrnehmen, hat OLAF in der Vergangenheit mit juristischen Prozessen verfolgt. So z.B. den Stern Korrespondenten Hans Martin Tillack.

Gerade Strafverfolgungsbehörden jedoch sind strengstens verpflichtet, die Grundrechte von Beschuldigten zu achten und jeden Versuch zu unterlassen, die Pressefreiheit einzuschränken.

Mangelnde rechtliche Kompetenz der Behörde

Am 24.7.2020 meldet tagesschau.de:  OLAF habe schon vor langer Zeit Folgendes aufgedeckt:  Victor Orban in Ungarn habe EU-Gelder in die Taschen von Familienangehörigen und anderer Gefolgsleute „umgeleitet“. OLAF habe die Berichte der Staatsanwaltschaft in Budapest übergeben. Die habe aber keinen Anlass zu Ermittlungen gesehen.

Zum Verhältnis der EU Kommission und den EU Mitgliedstaaten zu OLAF schreibt Jeanne Rubner in ihrem Buch „Brüsseler Spitzen“ : „Die Antibetrugsbehörde OLAF, die eigentlich Wachhund der  Kommission sein soll, wird an der kurzen Leine gehalten…. Mittelfristig liegen die Probleme weniger bei OLAF als bei den EU Ländern. Sie sind es, die OLAF ausbremsen und den Ermittlern die Arbeit schwer machen.“

Die Zuständigkeiten müssen also neu geregelt werden. Europäische Behörden müssen in Fällen der Betrugsaufdeckung tätig werden, nicht nationale!

Sensation: Die Europäische Staatsanwaltschaft

Seit 20 Jahren wird sie gefordert. Am 1.7.2021 hat sie ihre Arbeit aufgenommen. Siehe dazu hier Europaedia, unter „Instrumente der EU“ Punkt 3.

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Über die Autoren

Prof. Dr. Bernd-Peter Lange

Dr. Jutta Lange-Quassowski

Der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler Bernd-Peter Lange studierte Rechts- und Staatswissenschaften in Bonn, wo er die 1. jur. Staatsprüfung 1963 ablegte. 1966 erwarb er den Diplom Volkswirt und wurde 1967 zum Dr. jur. promoviert.

Nach seiner Mitarbeit am Institut für Konzentrationsforschung an der Freien Universität Berlin hat er 1972 eine umfassende Analyse der Antitrust-Politik in de n USA veröffentlicht.

Zunächst war er drei Jahre als Assistenzprofessor am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der FU Berlin tätig. Von 1974 bis zu seiner Emeritierung 2004 hatte er einen Lehrstuhl für Wirtschaftstheorie an der Universität Osnabrück. Neben der Lehrtätigkeit war er stark in der akademischen Selbstverwaltungengagiert. Gleichzeitig war er Mitglied in zahlreichen Kommissionen der wissenschaftlichen Politikberatung sowohl auf der Ebene einzelner Bundesländer wie auch auf der Ebene der Bundesrepublik.

Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören Medienökonomie, Technik-Folgenabschätzung und Krisenanalysen aus wirtschaftlicher, sozialer und rechtlicher Sicht.

Eine neue Aufgabe

Von Anfang 1993 bis Ende 1999 war er beurlaubt, um das Europäische Medieninstitut in Düsseldorf als dessen Generaldirektor zu leiten. Das Institut hatte Mitarbeiter aus 12 verschiedenen Ländern. Schwerpunkte der Arbeit dort waren

  • die unabhängige Beobachtung der Medien bei Wahlen in zentral- und osteuropäischen Ländern im Auftrag der EU Kommission mit mehr als 30 umfassenden Missionen
  • die jährliche Veranstaltung eines europäischen Film- und Fernsehforums, jeweils in einem anderen europäischen Land und
  • die vergleichende Medienforschung.

Er hat zahlreiche Artikel und umfassende Publikationen zu den Forschungsschwerpunkten verfasst, sowie zu den Themen des Europäischen Medieninstituts.

Er ist Inhaber des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse seit Mai 2001.

Dr. Jutta Lange-Quassowski, seine Frau ist Diplom Politologin (Berlin) und promovierte in Göttingen zum Dr. disc. pol.

Sie leitete gut 25 Jahre die Ernst-Strassmann-Stiftung. Schwerpunkt der Arbeit war die Aufarbeitung der deutschen Vergangenheit.

Zusätzlich ist sie kontinuierlich ehrenamtlich tätig und ist intensiv in die Arbeit an Europaedia eingebunden.

Sie sind glücklich verheiratet und haben 3 Söhne und 3 Enkelkinder.

Fakten, Mythen und die Seele Europas.

Bei Europaedia geht es um die verständliche Präsentation von Fakten und das Hinterfragen von Narrativen. Wir wollen nicht nur Probleme aufzeigen, sondern auch die „Seele“ der europäischen Gemeinschaft – ihre Kultur und Werte.

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