DSA-Ergänzung entfaltet langsam Wirkung beim Schutz von Kindern

Datum

5.2.2026

Lesezeit

4 Minuten

Autor

Autorin

Prof. Dr. Bernd-Peter Lange

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Über den Autor

Über die Autorin

Prof. Dr. Bernd-Peter Lange

Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Verbote von sog. Social Media für Kinder bis hinein in die Pubertät

Als erstes Land der Welt ist Australien im Jahr 2025 vorgeprescht. Mehr als ein Jahr wurde dort gestritten und diskutiert und sogar vor dem Obersten Gericht gekämpft.  Seit 10. Dezember 2025 gilt nun  ein Verbot der großen Plattformen wie TikTok, Instagram, Snapchat  für junge Menschen bis inklusive 16. Lebensjahr. Und es trat dort ausgerechnet vor den großen Sommerferien in Kraft, die down under ja in unserem Winter stattfinden. Auch Onlinenetzwerke wie der Videostreaming-App Twitch, der Kurzbotschaftendienst früher Twitter, heute X und sogar die Videoplattform YouTube sind jetzt für sie gesperrt. Und natürlich auch Facebook, sowie Reddit. Insgesamt sind es 10 Plattformen mit der Betonung, die Liste könnte erweitert werden. Denn die Suche nach Ersatz begann sofort.

Der Australische Ministerpräsident A. Albanese rechtfertigte den Schritt seiner Regierung so: „Zu oft sind soziale Medien überhaupt nicht sozial.“ Im Gegenteil, es werde „als Waffe für Mobbing, als Plattform für Gruppendruck, als Treiber von Angst“ sowie für Onlineübergriffe auf Heranwachsende genutzt. Er sagte sogar, dieser Schritt könne auch Leben retten.

Einher mit dem Verbot geht eine Überprüfung der betroffenen Firmen bzw. Betreiber der Plattformen durch die Internetaufsichtsbehörde eSafety und die Kommunikationsministerin von Australien. Die Unternehmen mussten sich dort melden und die Anzahl der Konten vor und nach dem Verbot angeben. Und sie müssen ein halbes Jahr lang monatlich über die Zahl der Abmeldungen berichten. Andernfalls drohen ihnen empfindliche finanzielle Strafen (von umgerechnet bis zu 28 Mill. Euro)

Wie es in Europa aussieht

Der Schritt der Australier  hat in vielen Ländern Diskussionen über das Thema „Schutz unserer Kinder“ ausgelöst. Die EU-Kommission hat im Juli 2025 Leitlinien zum Jugendschutz veröffentlicht. Das Europäische Parlament geht weiter. Es stimmte im Nov. 2025 mit deutlicher Mehrheit für die Forderung nach einem EU-weiten Mindestalter. Denn der Digital Services Act (DSA) allein hat bei diesem Thema nicht die erhoffte Wirkung entfaltet. So positiv Erwachsene die Digitalisierung und die mediale Vernetzung sehen, so überdeutlich fordern sie dringend Maßnahmen für den Schutz von Kindern im Internet. Begründungen:  negative Auswirkungen der sozialen Medien auf die geistige Gesundheit (93 %) sowie  Cybermobbing (92 %).

Inzwischen machen einige Länder Schritte, um die europäische Regel zu nutzen – wohl auch ermutigt durch das australische Vorbild. Da hört man von Dänemark. Dort haben Regierung und Opposition sich im Nov. 2025 auf eine Altersgrenze von 15 Jahren geeinigt. Frankreich ist mit der gleichen Altersgrenze seit Jan. 2026 mitten im Gesetzgebungsprozess. Denn die Nationalversammlung hat sich mit großer Mehrheit dafür entschieden. Und jetzt beginnt auch Spanien mit seinem Prozess, die Verbotsgrenze auf 16 Jahre festzulegen.

Auch in Deutschland ist die Diskussion auf verschiedenen Ebenen entfacht. Dabei geht es unter anderem um mögliche Altersgrenzen und auch um das vieldiskutierte Thema Handyverbot an Schulen. In der CDU verglich der Fraktionsvorsitzende Social–Media-Apps sogar mit harten Drogen: Hirnforschern zufolge sprechen die Apps wie Instagram und TikTok das Belohnungssystem im Hirn in etwa so an wie Heroin.

Dass eine sehr große Zahl von Jugendlichen meist täglich mehr als 2 Stunden und damit viel zu viel Zeit online verbringt, hat eine repräsentative Befragung ergeben. Das geht bis zu fünf Stunden (27%). Wichtig ist besonders, dass inzwischen mehr als die Hälfte der Jugendlichen zwischen 14 und 20 – nämlich 56% – sagen, sie würden diese Medien gerne kürzer nutzen. Sie schafften es aber leider nicht.  Fast noch wichtiger ist u.E. aber folgende Aussage, denn sie lässt tatsächlich tiefer blicken und ist ehrlicher, wird aber leider zu wenig zitiert: Drei Viertel der Jugendlichen sind der Meinung, dass sie mehr Zeit in diesen Medien verbringen, als ihnen lieb ist.

Die Quintessenz: Es ist allerhöchste Zeit für die Politiker*innen der westlichen Demokratien zu handeln.

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Über die Autoren

Prof. Dr. Bernd-Peter Lange

Dr. Jutta Lange-Quassowski

Der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler Bernd-Peter Lange studierte Rechts- und Staatswissenschaften in Bonn, wo er die 1. jur. Staatsprüfung 1963 ablegte. 1966 erwarb er den Diplom Volkswirt und wurde 1967 zum Dr. jur. promoviert.

Nach seiner Mitarbeit am Institut für Konzentrationsforschung an der Freien Universität Berlin hat er 1972 eine umfassende Analyse der Antitrust-Politik in de n USA veröffentlicht.

Zunächst war er drei Jahre als Assistenzprofessor am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der FU Berlin tätig. Von 1974 bis zu seiner Emeritierung 2004 hatte er einen Lehrstuhl für Wirtschaftstheorie an der Universität Osnabrück. Neben der Lehrtätigkeit war er stark in der akademischen Selbstverwaltungengagiert. Gleichzeitig war er Mitglied in zahlreichen Kommissionen der wissenschaftlichen Politikberatung sowohl auf der Ebene einzelner Bundesländer wie auch auf der Ebene der Bundesrepublik.

Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören Medienökonomie, Technik-Folgenabschätzung und Krisenanalysen aus wirtschaftlicher, sozialer und rechtlicher Sicht.

Eine neue Aufgabe

Von Anfang 1993 bis Ende 1999 war er beurlaubt, um das Europäische Medieninstitut in Düsseldorf als dessen Generaldirektor zu leiten. Das Institut hatte Mitarbeiter aus 12 verschiedenen Ländern. Schwerpunkte der Arbeit dort waren

  • die unabhängige Beobachtung der Medien bei Wahlen in zentral- und osteuropäischen Ländern im Auftrag der EU Kommission mit mehr als 30 umfassenden Missionen
  • die jährliche Veranstaltung eines europäischen Film- und Fernsehforums, jeweils in einem anderen europäischen Land und
  • die vergleichende Medienforschung.

Er hat zahlreiche Artikel und umfassende Publikationen zu den Forschungsschwerpunkten verfasst, sowie zu den Themen des Europäischen Medieninstituts.

Er ist Inhaber des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse seit Mai 2001.

Dr. Jutta Lange-Quassowski, seine Frau ist Diplom Politologin (Berlin) und promovierte in Göttingen zum Dr. disc. pol.

Sie leitete gut 25 Jahre die Ernst-Strassmann-Stiftung. Schwerpunkt der Arbeit war die Aufarbeitung der deutschen Vergangenheit.

Zusätzlich ist sie kontinuierlich ehrenamtlich tätig und ist intensiv in die Arbeit an Europaedia eingebunden.

Sie sind glücklich verheiratet und haben 3 Söhne und 3 Enkelkinder.

Fakten, Mythen und die Seele Europas.

Bei Europaedia geht es um die verständliche Präsentation von Fakten und das Hinterfragen von Narrativen. Wir wollen nicht nur Probleme aufzeigen, sondern auch die „Seele“ der europäischen Gemeinschaft – ihre Kultur und Werte.

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