Die Notwendigkeit einer soliden europäischen Produktion
Es ist weitgehend unstrittig, dass die CO²-Emissionen des Verkehrs unbedingt so schnell wie möglich gesenkt werden müssen. Die EU wollte diesem Ziel durch das für 2035 geplante Verbrenner-Aus für neu hergestellte PKWs einen großen Schritt näher kommen. Allerdings setzt das voraus, dass die Industrie für die ab da einzubauenden E-Motoren genügend Batterien zur Verfügung hat bzw. noch mehr favorisiert: selbst produziert.
Denn die EU möchte von dem Erwerb der Batterien aus China unabhängiger werden. Die bisher 90% der Lieferung von dorther stellen einen großen Risikofaktor her. Eine so dominante Abhängigkeit bei der Dekarbonisierung schafft eine zu große Unsicherheit. China ist schließlich als eine imperialistische Macht zu betrachten. Die Europäer können nicht abschätzen, zu welcher Feindlichkeit das eines Tages führen kann.
Wie es mit der Produktion in Europa aussieht
Von einer florierenden Batteriezell-Produktion in Europa kann bisher keine Rede sein. Und zwar insofern nicht, als sich herausgestellt hat, dass die Produktion dieser Batterien sehr viel komplexer ist, als gedacht. Andererseits liefert China seine Batterien zu so niedrigen – subventionierten – Preisen, dass die Produktion in Europa nicht mithalten kann.
Und so liegt z.B. die geplante Produktion von Northvolt in Schleswig-Holstein noch immer auf Eis – trotz Übernahme des insolventen Betreibers durch eine amerikanische Firma. Die von VW angekündigte Produktion bei Salzgitter dagegen ist nur voran gekommen, weil VW sich viele chinesische Spezialisten „eingekauft“ hat, die jeden Schritt vorwärts intensiv begleiten. Ab sofort will VW 250.000 Batteriezellen pro Jahr produzieren. Und VW will auch in Valencia, Spanien für seine Werke dort ab 2026 Batterien produzieren.
In Ellwangen (B.-W.) bemüht sich Varta darum, eine Produktion hoch zuziehen. Weitere Projekte der anderen Autofirmen in Deutschland sind ebenfalls wenig weit fortgeschritten oder zurück genommen worden. So denken z.B. Mercedes-Benz, Stellantis und TotalEnergies/Saft jetzt über eine Gemeinschaftsproduktion in Frankreich (und evtl. in Italien) nach.
Ansonsten produzieren hier in geringem Umfang chinesische Firmen, z.B. BYD für Tesla, auch wenn man dort inzwischen mit einer eigenen Produktion beginnt.
EU Initiativen
Die EU aber will das ändern. Die Kommission möchte mehr Forschung und möchte europäische Gigafactories. Und hat dafür im Dez. 2025 einen sechs-teiligen „Batterie-Booster“ von insgesamt 1,8 Milliarden angekündigt. Sie will die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Branche vor allem bei den Kosten verbessern, aber alles unter ökologischen Gesichtspunkten.
Ungarn hat daran besonders großes Interesse. Allerdings holt Ungarn sich dafür den chinesischen Produzenten CATL. Orbán lockt diesen und auch südkoreanische Firmen mit eigenen großen Subventionen ins Land – trotz großen Widerstandes der Bevölkerung. Aber dennoch wohl nicht ohne Förderung auch durch die EU. Seit 2023 produziert CATL auch in Thüringen.
Aber, da die EU seit Frühjahr 2024 eine Batterie-Verordnung hat, die eine Offenlegung des CO²-Fußabdrucks verlangt, sowie auch Vorgaben für das Batterie-Recycling macht, kommt das Fraunhofer Institut nach einer umfassenden Analyse des derzeitigen Marktes (s.o.) zu der Schlussfolgerung: „Zusammenfassend ist erkennbar, dass die europäische Abhängigkeit von Zellimporten voraussichtlich sinken wird. Mit einem klaren Fokus auf technologische(r) Souveränität und die (der) Notwendigkeit, sich von Importen aus China unabhängiger zu machen, positioniert sich Europa trotz der aktuellen Schwerfälligkeit als zukunftsträchtiger Standort für die Batteriezellproduktion.“
Zur Umweltfreundlichkeit der Batterien und ihrer Produktion
Das E-Auto stößt im Betrieb kein CO² mehr aus. Und es macht den Betreiber des Autos unabhängig von Öl und Gas. „Eine aktuelle Studie des International Council on Clean Transportation (ICCT) zeigt zum Beispiel, dass heute in Europa verkaufte vollelektrische Autos über ihre Lebensdauer 73 Prozent weniger Treibhausgase ausstoßen als Benziner. Die Emissionen von E-Autos sinken demnach schneller als noch vor wenigen Jahren erwartet“ – so die Studie. Dies ist natürlich so zu verstehen, dass der Herstellungsprozess eingeschlossen ist.
Allerdings ist bekannt, dass die Produktion von Batterien – unabhängig vom Abbau der dafür erforderlichen sog. seltenen Erden – keine umweltfreundliche Angelegenheit ist. Denn dafür sind große Mengen Wasser, Chemikalien und Energie notwendig.
Deshalb arbeiten Forschende sowie auch einzelne Betriebe bereits an weiter entwickelten Verfahren, die umweltfreundlicher sind, weil sie z.B. die Chemikalien vermeiden. Andere sind dabei, Natrium- statt Lithium-Ionen zu entwickeln. Wenn deren Durchbruch zur Massenproduktion gelingt, würde das nicht nur ein Riesengewinn für die Umwelt, sondern auch für die Unabhängigkeit von Europa.
Außerdem ist ja auch das Recycling der bereits vorhandenen Lithium-Batterien inzwischen auf einem guten Weg. Das dabei zurück gewonnene Lithium, Nickel und Kobalt wird allein bis 2026 laut Fraunhofer-Institut auf rund 330.000 Tonnen pro Jahr steigen.
Und sogar die gebrauchten E-Auto-Batterien können inzwischen weiter verwendet werden. Startups bauen daraus „stationäre Speicher für Industrie und Gewerbe. So lassen sich erneuerbare Energien puffern und die Nutzungsdauer der Batterien deutlich verlängern„.


