Kohleabbau in der EU nimmt ab

Datum

4.2.2026

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4 Minuten

Autor

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Prof. Dr. Bernd-Peter Lange

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Über den Autor

Über die Autorin

Prof. Dr. Bernd-Peter Lange

Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Rückgang des Kohleabbaus in der Union

Der Europäische Rechnungshof hat zu dem Thema 2022 einen Sonderbericht  sowie eine Abbildung veröffentlicht. Beide sind sehr aussagekräftig. Braunkohle, Steinkohle und Kohleprodukte (hier Kohle genannt) machten danach 1990 noch 39% aus beim Anteil an der Elektrizitäts- und Wärmeerzeugung in der EU. 2013 waren es 25% und 2020 noch 14%. Nun ist es nicht so, dass die Kohle einfach durch die „Erneuerbaren“ ersetzt worden wäre. Zum Teil hat man Steinkohle importiert. Sie war billiger, da der Abbau nicht aus solchen Tiefen geholt wurde wie zuletzt im Ruhrgebiet.  Zwischen 1990 und 2020 stieg außerdem der Verbrauch von fossilem Gas von 11% auf 23%, während der Verbrauch von Erdöl und Erdölprodukten  im gleich Zeitraum immerhin bereits von 11 auf 2% fiel. Vermutlich wurde hier oftmals Öl eher durch Gas ersetzt.

Aber nichts desto trotz: Der Anteil der Erneuerbaren an der Elektrizitäts- und Wärmeerzeugung stieg zwischen 1990 und 2020,  von 11% auf 38%. Er hat sich in dreißig Jahren also etwas mehr als verdreifacht.

Wie es gegangen ist mit dem Rückgang des Kohleabbaus

Der Steinkohleabbau in Deutschland nahm in NRW im vergangenen Jahrhundert im Ruhrgebiet kontinuierlich ab. Erst 2018  aber war endgültig „Schicht im Schacht“ nach einem mühsamen und emotionalen Prozess für die Kumpels, der schon unter Johannes Rau als Ministerpräsident begonnen hatte. Er hatte in den siebziger Jahren, damals zuständig für Wissenschaft und Forschung fünf neue Gesamthochschulen sowie die Fernuniversität Hagen gegründet. Sein Ziel, der Jugend nach einem Studium andere Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu bieten als tief in der Erde Kohle abzubauen. Das gelang ihm auch, Johannes Rau: dem Besonderen (U.Heinemann). Allerdings leider ohne, dass das dem Ruhrgebiet zu Gute kam. Die Studierten mussten sich ihre Arbeitsplätze -mangels Alternativen- in Bundesländern südlich von NRW suchen.

Der Braunkohlebergbau – meist im Tageabbau – läuft derzeit noch weiter auf Hochtouren. Ihn gibt es nicht nur  westlich des Rheins, sondern auch in Ostdeutschland. In der EU ist Deutschland mit 47% vor Polen mit 21% sogar der größte Braunkohle-Produzent von derzeit noch acht Ländern. Auch diese Abbaugebiete zu reduzieren sind zähe Prozesse mit z.T. viel Widerstand – einerseits von den Unternehmen, andererseits von den Kumpeln. Oft sind es die wichtigsten oder gar einzigen Arbeitsplätze in der Region. Und die Politik ist vielleicht nicht immer schnell oder effektiv genug, dafür Ersatz anzubieten.

Der Europäische Rechnungshof bewertete diese Prozesse für die Regionen in der EU:  „Der Hof gelangt zu dem Schluss, dass die EU-Förderung für Kohleregionen einen beschränkten Fokus und begrenzte Auswirkungen auf die Schaffung von Arbeitsplätzen und den energiewirtschaftlichen Übergang hatte …“  Und weiter unten: „In diesen Regionen wurden durch Investitionen im Rahmen des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung relativ wenige Arbeitsplätze direkt geschaffen, vor allem gemessen an der Gesamtzahl der Arbeitslosen in diesen Regionen.“

Die Situation heute im Osten der EU

Gerade ist die Nachricht gekommen, dass Tschechien sein letztes Steinkohlewerk am 31.1.2026 geschlossen hat, weil sich der Abbau nicht mehr rechnet.

Die Steinkohle hat einen höheren Energiegehalt als die Braunkohle. Deren Produktion erreichte im Jahr 2024 noch 45 Millionen Tonnen. Davon wurden 44 Millionen noch immer in Polen abgebaut.  Nur die letzte Tonne war noch aus Tschechien gekommen.  Auch Braunkohle wird in Polen noch in fast gleichem Umfang wie Steinkohle abgebaut. Deutschland allerdings…siehe den hier vorigen Absatz. Spätestens 2038 jedoch soll Schluss sein. Und in Polen? Hier setzt man stark auf den Aufbau von Atommeilern. Das Ende der Zechen hat man von ursprünglich 2060 (Forderung der Gewerkschaften) vorgezogen auf 2049.

Auf dem richtigen Weg

„Vor fünf Jahren (2019) sah es für die Energiewende in Europa noch ganz anders aus. Erneuerbare lieferten gerade einmal 34 Prozent des EU-Stroms, fossile hingegen nahezu 40 Prozent. Seit der Einführung des Green Deals haben sich die Verhältnisse mehr als umgekehrt: 2023 knackten die Erneuerbaren erstmals die 40-Prozent-Marke. Im vergangenen Jahr (2024) reichten sie fast an die 50 Prozent-Marke heran.“

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Über die Autoren

Prof. Dr. Bernd-Peter Lange

Dr. Jutta Lange-Quassowski

Der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler Bernd-Peter Lange studierte Rechts- und Staatswissenschaften in Bonn, wo er die 1. jur. Staatsprüfung 1963 ablegte. 1966 erwarb er den Diplom Volkswirt und wurde 1967 zum Dr. jur. promoviert.

Nach seiner Mitarbeit am Institut für Konzentrationsforschung an der Freien Universität Berlin hat er 1972 eine umfassende Analyse der Antitrust-Politik in de n USA veröffentlicht.

Zunächst war er drei Jahre als Assistenzprofessor am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der FU Berlin tätig. Von 1974 bis zu seiner Emeritierung 2004 hatte er einen Lehrstuhl für Wirtschaftstheorie an der Universität Osnabrück. Neben der Lehrtätigkeit war er stark in der akademischen Selbstverwaltungengagiert. Gleichzeitig war er Mitglied in zahlreichen Kommissionen der wissenschaftlichen Politikberatung sowohl auf der Ebene einzelner Bundesländer wie auch auf der Ebene der Bundesrepublik.

Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören Medienökonomie, Technik-Folgenabschätzung und Krisenanalysen aus wirtschaftlicher, sozialer und rechtlicher Sicht.

Eine neue Aufgabe

Von Anfang 1993 bis Ende 1999 war er beurlaubt, um das Europäische Medieninstitut in Düsseldorf als dessen Generaldirektor zu leiten. Das Institut hatte Mitarbeiter aus 12 verschiedenen Ländern. Schwerpunkte der Arbeit dort waren

  • die unabhängige Beobachtung der Medien bei Wahlen in zentral- und osteuropäischen Ländern im Auftrag der EU Kommission mit mehr als 30 umfassenden Missionen
  • die jährliche Veranstaltung eines europäischen Film- und Fernsehforums, jeweils in einem anderen europäischen Land und
  • die vergleichende Medienforschung.

Er hat zahlreiche Artikel und umfassende Publikationen zu den Forschungsschwerpunkten verfasst, sowie zu den Themen des Europäischen Medieninstituts.

Er ist Inhaber des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse seit Mai 2001.

Dr. Jutta Lange-Quassowski, seine Frau ist Diplom Politologin (Berlin) und promovierte in Göttingen zum Dr. disc. pol.

Sie leitete gut 25 Jahre die Ernst-Strassmann-Stiftung. Schwerpunkt der Arbeit war die Aufarbeitung der deutschen Vergangenheit.

Zusätzlich ist sie kontinuierlich ehrenamtlich tätig und ist intensiv in die Arbeit an Europaedia eingebunden.

Sie sind glücklich verheiratet und haben 3 Söhne und 3 Enkelkinder.

Fakten, Mythen und die Seele Europas.

Bei Europaedia geht es um die verständliche Präsentation von Fakten und das Hinterfragen von Narrativen. Wir wollen nicht nur Probleme aufzeigen, sondern auch die „Seele“ der europäischen Gemeinschaft – ihre Kultur und Werte.

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