Rückgang des Kohleabbaus in der Union
Der Europäische Rechnungshof hat zu dem Thema 2022 einen Sonderbericht sowie eine Abbildung veröffentlicht. Beide sind sehr aussagekräftig. Braunkohle, Steinkohle und Kohleprodukte (hier Kohle genannt) machten danach 1990 noch 39% aus beim Anteil an der Elektrizitäts- und Wärmeerzeugung in der EU. 2013 waren es 25% und 2020 noch 14%. Nun ist es nicht so, dass die Kohle einfach durch die „Erneuerbaren“ ersetzt worden wäre. Zum Teil hat man Steinkohle importiert. Sie war billiger, da der Abbau nicht aus solchen Tiefen geholt wurde wie zuletzt im Ruhrgebiet. Zwischen 1990 und 2020 stieg außerdem der Verbrauch von fossilem Gas von 11% auf 23%, während der Verbrauch von Erdöl und Erdölprodukten im gleich Zeitraum immerhin bereits von 11 auf 2% fiel. Vermutlich wurde hier oftmals Öl eher durch Gas ersetzt.
Aber nichts desto trotz: Der Anteil der Erneuerbaren an der Elektrizitäts- und Wärmeerzeugung stieg zwischen 1990 und 2020, von 11% auf 38%. Er hat sich in dreißig Jahren also etwas mehr als verdreifacht.

Wie es gegangen ist mit dem Rückgang des Kohleabbaus
Der Steinkohleabbau in Deutschland nahm in NRW im vergangenen Jahrhundert im Ruhrgebiet kontinuierlich ab. Erst 2018 aber war endgültig „Schicht im Schacht“ nach einem mühsamen und emotionalen Prozess für die Kumpels, der schon unter Johannes Rau als Ministerpräsident begonnen hatte. Er hatte in den siebziger Jahren, damals zuständig für Wissenschaft und Forschung fünf neue Gesamthochschulen sowie die Fernuniversität Hagen gegründet. Sein Ziel, der Jugend nach einem Studium andere Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu bieten als tief in der Erde Kohle abzubauen. Das gelang ihm auch, Johannes Rau: dem Besonderen (U.Heinemann). Allerdings leider ohne, dass das dem Ruhrgebiet zu Gute kam. Die Studierten mussten sich ihre Arbeitsplätze -mangels Alternativen- in Bundesländern südlich von NRW suchen.
Der Braunkohlebergbau – meist im Tageabbau – läuft derzeit noch weiter auf Hochtouren. Ihn gibt es nicht nur westlich des Rheins, sondern auch in Ostdeutschland. In der EU ist Deutschland mit 47% vor Polen mit 21% sogar der größte Braunkohle-Produzent von derzeit noch acht Ländern. Auch diese Abbaugebiete zu reduzieren sind zähe Prozesse mit z.T. viel Widerstand – einerseits von den Unternehmen, andererseits von den Kumpeln. Oft sind es die wichtigsten oder gar einzigen Arbeitsplätze in der Region. Und die Politik ist vielleicht nicht immer schnell oder effektiv genug, dafür Ersatz anzubieten.
Der Europäische Rechnungshof bewertete diese Prozesse für die Regionen in der EU: „Der Hof gelangt zu dem Schluss, dass die EU-Förderung für Kohleregionen einen beschränkten Fokus und begrenzte Auswirkungen auf die Schaffung von Arbeitsplätzen und den energiewirtschaftlichen Übergang hatte …“ Und weiter unten: „In diesen Regionen wurden durch Investitionen im Rahmen des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung relativ wenige Arbeitsplätze direkt geschaffen, vor allem gemessen an der Gesamtzahl der Arbeitslosen in diesen Regionen.“
Die Situation heute im Osten der EU
Gerade ist die Nachricht gekommen, dass Tschechien sein letztes Steinkohlewerk am 31.1.2026 geschlossen hat, weil sich der Abbau nicht mehr rechnet.
Die Steinkohle hat einen höheren Energiegehalt als die Braunkohle. Deren Produktion erreichte im Jahr 2024 noch 45 Millionen Tonnen. Davon wurden 44 Millionen noch immer in Polen abgebaut. Nur die letzte Tonne war noch aus Tschechien gekommen. Auch Braunkohle wird in Polen noch in fast gleichem Umfang wie Steinkohle abgebaut. Deutschland allerdings…siehe den hier vorigen Absatz. Spätestens 2038 jedoch soll Schluss sein. Und in Polen? Hier setzt man stark auf den Aufbau von Atommeilern. Das Ende der Zechen hat man von ursprünglich 2060 (Forderung der Gewerkschaften) vorgezogen auf 2049.

Auf dem richtigen Weg
„Vor fünf Jahren (2019) sah es für die Energiewende in Europa noch ganz anders aus. Erneuerbare lieferten gerade einmal 34 Prozent des EU-Stroms, fossile hingegen nahezu 40 Prozent. Seit der Einführung des Green Deals haben sich die Verhältnisse mehr als umgekehrt: 2023 knackten die Erneuerbaren erstmals die 40-Prozent-Marke. Im vergangenen Jahr (2024) reichten sie fast an die 50 Prozent-Marke heran.“


