D. Die „Europäische Politische Gemeinschaft“ (EPG)

Datum

1.6.2023

Lesezeit

4 Minuten

Autor

Autorin

Prof. Dr. Bernd-Peter Lange

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Über den Autor

Über die Autorin

Prof. Dr. Bernd-Peter Lange

Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Die Veränderung der europäischen Geopolitik

Die Geopolitik Europas ist durch den großen russischen Angriffs-Krieg gegen die Ukraine ins Schleudern geraten. So sind alte Gewissheiten, wie die Formel „Wandel durch Handel“ zerbrochen. Auch die alte Maxime, eine europäische Sicherheit ist nur mit Russland erreichbar, gilt nicht mehr.  Die Verwirklichung von guten deutsch-russischen Beziehungen aber ist mit einem Aggressor nicht mehr möglich  – auch wenn sich damit noch nicht alle Deutschen abfinden können. Denn viele hatten aus dem 2. Weltkrieg, den Nazi-Deutschland  begonnen und brutalst geführt hatte, die Konsequenzen gezogen, „Frieden ohne Waffen“ schaffen zu können und „Schwerter zur Pflugscharen“ umzufunktionieren. Aber diese Lehren sind von dem neuen imperialistischen Angreifer Putin mit seinem heutigen Russland über den Haufen geworfen worden.

Korrektur alter Gewissheiten

Und eine meist vermittelte Gewissheit hatte gelautet: deutsche Soldaten  hätten vor allem Russland unermessliches Leid angetan. Dieses Wissen bezog sich auf die Sowjetunion und ist nicht falsch. Aber  es wird nun auch im Bewusstsein der Öffentlichkeit langsam korrigiert. Denn nicht Russland ist am stärksten vom deutschen Überfall betroffen gewesen, sondern die Ukraine und Weißrussland. Diese Länder sind der Sowjetunion geographisch vorgelagert. Und diese von den Kommunisten widerrechtlich annektierten Länder zahlten den größten Blutzoll im 2. Weltkrieg.

Ein neu zu schaffendes Europäisches Format

Am 9. Mai 2022 hielt der französische Präsident eine Rede vor dem EU-Parlament. Dies war nur knapp zwei Monate nach dem brutalen russischen Überfall auf die Ukraine. So  realisierte Macron als Erster öffentlich die enorme Bedrohung der europäischen Sicherheit. Denn er hatte die imperialistischen Gelüste Putins und seines Gefolges erkannt. Auch die zunehmende Gefahr aufgrund der entstandenen Abhängigkeiten europäischer Energie-Infrastruktur von Importen aus Russland benannte er. Deshalb kündigte er in seiner Rede die Notwendigkeit eines neuen europäischen Formats an. Sein Vorschlag, „einen neuen Raum der politischen Zusammenarbeit, der Sicherheit, der Zusammenarbeit in den Bereichen Energie, Verkehr, Infrastruktur, Personenverkehr und insbesondere unserer Jugend zu finden“. Seine Motivation, „unser Europa zu vereinen, so wie es geografisch existiert, auf Grundlage seiner demokratischen Werte, mit dem Willen, die Einheit unseres Kontinents zu wahren und die Stärke und die Ambition unserer europäischen Integration aufrechtzuerhalten“.

Erste Tagung der Europäischen Politischen Gemeinschaft (EPG) (EPC = european political community)

Macrons Ideen stießen sehr schnell auf breiteste Zustimmung. Schon am 6.Okt. 2022 fand auf Einladung der tschechischen Ratspräsidentschaft der EU in Prag die erste Sitzung statt. Eingeladen waren und sind „alle europäischen Länder, zu denen wir enge Beziehungen unterhalten“. Mit anderen Worten: Russland und Weißrussland gehören aufgrund des völkerrechtswidrigen Krieges bzw. dessen Unterstützung derzeit nicht dazu!

Wer  eingeladen ist

Außer den 27 EU-Mitgliedstaaten gehören dazu: die früheren EFTA-Staaten, inclusive Großbritannien, alle EU-Beitritts- und potentielle Beitrittskandidaten, alle Balkanstaaten, incl. der Türkei, alle assoziierten Staaten, sowie auch weitere Drittstaaten wie  Georgien, Aserbaidschan und Armenien, die Schweiz, Lichtenstein, Norwegen und Island. Zusammen sind das 20 Staaten, die wohl auch alle die Einladung akzeptierten und sich geographisch Europa zugehörig fühlen.

Die Regierungschefs kleinerer Nicht-EU-Staaten wollen die Chance nutzen, mit den „großen“ europäischen Staaten zu sprechen. Länder wie Norwegen, die Schweiz oder Island haben die EPG deshalb begrüßt, weil sie sich auch als überzeugte Europäer sehen, aber keinem Druck ausgesetzt sein wollen, nun in der EU mitzumachen. Die obersten Organe der EU nehmen selbstverständlich ebenfalls teil.

Die Treffen werden in Zukunft zweimal im Jahr stattfinden, im Wechsel von -so geplant – einmal in dem EU-Staat, der die Präsidentschaft hat und das andere Mal in einem Land der EPG.

Das nächste Treffen mit den ca. 50 Staats- und Regierungschefs findet im Juni 2023 in Chișinău, der Hauptstadt des kleinen, von Russland besonders bedrängten Landes Moldau (Moldawien) statt.

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Über die Autoren

Prof. Dr. Bernd-Peter Lange

Dr. Jutta Lange-Quassowski

Der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler Bernd-Peter Lange studierte Rechts- und Staatswissenschaften in Bonn, wo er die 1. jur. Staatsprüfung 1963 ablegte. 1966 erwarb er den Diplom Volkswirt und wurde 1967 zum Dr. jur. promoviert.

Nach seiner Mitarbeit am Institut für Konzentrationsforschung an der Freien Universität Berlin hat er 1972 eine umfassende Analyse der Antitrust-Politik in de n USA veröffentlicht.

Zunächst war er drei Jahre als Assistenzprofessor am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der FU Berlin tätig. Von 1974 bis zu seiner Emeritierung 2004 hatte er einen Lehrstuhl für Wirtschaftstheorie an der Universität Osnabrück. Neben der Lehrtätigkeit war er stark in der akademischen Selbstverwaltungengagiert. Gleichzeitig war er Mitglied in zahlreichen Kommissionen der wissenschaftlichen Politikberatung sowohl auf der Ebene einzelner Bundesländer wie auch auf der Ebene der Bundesrepublik.

Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören Medienökonomie, Technik-Folgenabschätzung und Krisenanalysen aus wirtschaftlicher, sozialer und rechtlicher Sicht.

Eine neue Aufgabe

Von Anfang 1993 bis Ende 1999 war er beurlaubt, um das Europäische Medieninstitut in Düsseldorf als dessen Generaldirektor zu leiten. Das Institut hatte Mitarbeiter aus 12 verschiedenen Ländern. Schwerpunkte der Arbeit dort waren

  • die unabhängige Beobachtung der Medien bei Wahlen in zentral- und osteuropäischen Ländern im Auftrag der EU Kommission mit mehr als 30 umfassenden Missionen
  • die jährliche Veranstaltung eines europäischen Film- und Fernsehforums, jeweils in einem anderen europäischen Land und
  • die vergleichende Medienforschung.

Er hat zahlreiche Artikel und umfassende Publikationen zu den Forschungsschwerpunkten verfasst, sowie zu den Themen des Europäischen Medieninstituts.

Er ist Inhaber des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse seit Mai 2001.

Dr. Jutta Lange-Quassowski, seine Frau ist Diplom Politologin (Berlin) und promovierte in Göttingen zum Dr. disc. pol.

Sie leitete gut 25 Jahre die Ernst-Strassmann-Stiftung. Schwerpunkt der Arbeit war die Aufarbeitung der deutschen Vergangenheit.

Zusätzlich ist sie kontinuierlich ehrenamtlich tätig und ist intensiv in die Arbeit an Europaedia eingebunden.

Sie sind glücklich verheiratet und haben 3 Söhne und 3 Enkelkinder.

Fakten, Mythen und die Seele Europas.

Bei Europaedia geht es um die verständliche Präsentation von Fakten und das Hinterfragen von Narrativen. Wir wollen nicht nur Probleme aufzeigen, sondern auch die „Seele“ der europäischen Gemeinschaft – ihre Kultur und Werte.

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