12. Lettland (LV)

Datum

17.1.2022

Lesezeit

6 Minuten

Autor

Autorin

Prof. Dr. Bernd-Peter Lange

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Über den Autor

Über die Autorin

Prof. Dr. Bernd-Peter Lange

Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Lettland ist das mittlere der drei baltischen Staaten. Es grenzt im Norden an Estland, im Osten an Russland, im Südosten an Weißrussland und im Süden an Litauen.       Der ganze Westen von Lettland liegt an der Ostsee. Die Hauptstadt ist die alte und stolze Hansestadt Riga am Rigaischen Meerbusen. Das imposanteste Gebäude der Stadt ist ein in den neunziger Jahren wieder errichtetes wunderschönes Gildehaus, das sog. Schwarzhäupterhaus vom Beginn des 14. Jhdts. Da dieses im Juni 1941, gleich nach Beginn des Russlandfeldzuges von Nazi-Deutschland zerstörte Gebäude zigmal im Internet abgebildet ist, zeigen wir hier links lieber ein besonders reichhaltig geschmücktes Jugendstilhaus, zumal Riga bekannt ist für eine Vielzahl beeindruckender Gebäude des Jugendstils und damit auch hervorsticht.

Lettland ist schon 2004 nicht nur EU Mitglied, sondern auch Mitglied der NATO. Und schon 2014 ist es der Euro Zone beigetreten. 2019 lag die Bevölkerungszahl bei 1.940.000 mit abnehmender Tendenz. Lettland ist mit 30 Einwohnern auf den Quadratkilometer relativ dünn besiedelt.

1. Geschichte

1237 erschloss der deutsche Orden das Land und begründete die deutsche Einwanderung. Jahrhunderte lang stellte die deutsche Oberschicht sowohl das Stadtbürgertum wie auch die Großgrundbesitzer.

In der Zeit der Reformation wurden die Letten lutherisch. Im 16. Jahrhundert geriet Lettland allerdings in die Abhängigkeit des Königreichs Polen-Litauen. Daher sind Teile Lettlands heute katholisch.

Bis ins 18. Jahrhundert war das Baltikum zwischen dem zaristischen Russland, Schweden und Polen umkämpft. In Folge der 3. polnischen Teilung – ein eigenständiges Polen verschwand ganz von der Landkarte – wurde Lettland 1795 Russland zugeschlagen. ( Westpolen kam zu Preußen und die südlichen Teile Polens zu Österreich). Die deutschen Balten durften ihre Privilegien aber behalten.

Kurze Blütezeit

Nach dem 1. Weltkrieg erklärte Lettland am 18.11.1918 die Unabhängigkeit von Russland.  Im lettischen Unabhängigkeitskrieg konnte Lettland diese auch durchsetzen.  In den 20er Jahren folgte eine wirtschaftliche und kulturelle Blüte. 1922 wurden 300 kommunale Bibliotheken eröffnet. Am 7.11.1922 gab sich das Land eine eigene Verfassung, die bis heute gilt – trotz der langen Fremdherrschaft in den folgenden Jahrzehnten. Lettland organisierte Schulen in 7 Minderheiten-Sprachen, Ausdruck einer großen Toleranz.

Bloodlands

Im 2. Weltkrieg wurde Lettland aufgrund des Hitler-Stalin-Pakts 1940 von der kommunistischen Sowjetunion (SU) okkupiert. Nach manipulierten Wahlen gliederte die SU Lettland als „sozialistische Republik“ in das imperialistische Reich ein. Unter dieser Zwangsherrschaft wurden          15 000 Personen in die sibirischen Gulags verschleppt.  40%  überlebten nicht. 81% dieser Verschleppten waren christliche Letten und 12% Juden.

Im Juni 1941 besetzte Nazi-Deutschland das Land. 70 000 lettische Juden wurden in den Wäldern bei Riga ermordet. Hinzu kommen ca. 20 000 Juden aus dem „Reich“ und den besetzten Gebieten. Man transportierte sie oft schon 1941, also vor der Wannsee-Konferenz vom Januar 1942, nach Riga und dort bereits in den Tod.

Etwa 140 000 Letten waren in SS Verbänden organisiert und waren an deren zahlreichen Kriegsverbrechen beteiligt. Obwohl das Ghetto für die Juden nicht weit von den riesigen Hallen des großen Zentralmarktes in Riga entfernt liegt, ist es den Menschen dort kaum bekannt. Hinter einer unscheinbaren Mauer liegt dieser Innenhof, der an einer Holzwand eine Tafel mit einigen Gesichtern von Juden und etwas Text enthält. Das hier rechts stehende kleine Denkmal aus dunklen Marmor, in das ein jüdischer Chanukka-Leuchter eingraviert ist, fällt kaum auf. Er endet in gläsernen Behältern für Kerzenlicht.

Exodus

1944/45 verließen etwa 200.000 oft gut ausgebildete Letten ihre Heimat. Mehr als 170 Schriftsteller zogen nach West-Deutschland. Ende des 2. Weltkrieges wurde Lettland von der Roten Armee von der Naziherrschaft „befreit“. Aber die kommunistische Sowjetunion gliederte das Land erneut zwangsweise ein. 1949 wurden mehr als 42 000 Letten, zumeist Frauen und Kinder, nach Sibirien verschleppt. In der Folgezeit war Lettland einer aggressiven Russifizierungs – Politik ausgesetzt. Heute sind 35% der in Lettland lebenden Menschen bewusst von Russland dort angesiedelte Russen und Weißrussen oder aber Ukrainer.

1991 nach dem Zerfall der Sowjetunion erlangte Lettland seine Unabhängigkeit zurück. (Wikipedia zur lettischen Geschichte)

2. Grunddaten

Das verarbeitende Gewerbe trägt 25% zum BIP bei. Das sind Maschinen- und Fahrzeugbau sowie Omnibusse und Waggons. Außerdem trägt Fischverarbeitung als Teil der Nahrungsmittelindustrie zum BIP bei sowie die Textilindustrie. Über 30% der Exporte sind Holzprodukte.

Lettland verzeichnet seit dem EU Betritt immer höhere Wachstumsraten des BIP als der EU Durchschnitt oder die Eurozone.

Jahr             Lettland                         EU                 Durchschnitt Eurozone

2011                  6,4%                               1,8%                                           1,6%

2012                 4,0%                             -0,4%                                         -0,9%

2013                 2,4%                               0,3%                                        -0,3%

2014                 1,9%                               1,8%                                           1,4%

2015                3,0%                               2,3%                                           2,1%

2016                2,1%                               2,0%                                           2,0%

2017                4,6%                               2,4%                                           2,4%

2018                4,8%                              2,0%                                           1,9%

Der Global Competitiveness Index weist Lettland 2016 auf Platz 49 von 138 Ländern aus, also auf einem hervorragenden vorderen Platz.

2018 betrug das Kaufkraft bereinigte BIP pro Kopf der Bevölkerung 29.912 US Dollar im Jahr.

Bewundernswerte Entwicklung

2016 betrug die Staatsverschuldung 34,3% des BIP, ein sensationell niedriger Wert. Lettland hat auf den Einbruch der Wirtschaft im Zuge der weltweiten Finanzkrise sehr schnell mit drastischen Sparmaßnahmen reagiert. Von einem niedrigen Niveau aus hat es dann einen rasanten wirtschaftlichen Aufholprozess mit technologischen Innovationen begonnen. Dazu trägt der hohe Anteil der schnellen Glasfasernetze für das Breitbandinternet bei. Es gibt in dem dünn besiedelten Land mehr als 4500 kostenlose Wifi-Hotspots.

Die Energieerzeugung, was die Elektrizität angeht, erfolgt zu 38% aus Wasserkraft. Hinzu kommen zwei Verbrennungskraftwerke nahe Riga, die mit Erdgas befeuert werden.

Die Eisenbahn in Lettland benutzt noch eine andere Spurweite als in Westeuropa, sodass eine Reise z. B. nach Deutschland mit mehreren Umstiegen verbunden ist.

Leben und Kultur

Kulturell zeichnet sich Lettland als sangesfreudig aus. Alle 5 Jahre gibt es in Riga ein großes Liederfest mit hunderten von Chören.

Das Nationalgericht wird als Pultra bezeichnet, eine gekochte Gerstengrütze, kräftig mit Sauerrahm abgeschmeckt. Ein typisches Getränk ist Kwas oder Kwass, ein alkoholfreier Hefedrink, aus Roggenbrot, manchmal auch Malz sowie aus einer speziellen Hefe zubereitet. Überhaupt ist Brot den Letten heilig.

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Über die Autoren

Prof. Dr. Bernd-Peter Lange

Dr. Jutta Lange-Quassowski

Der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler Bernd-Peter Lange studierte Rechts- und Staatswissenschaften in Bonn, wo er die 1. jur. Staatsprüfung 1963 ablegte. 1966 erwarb er den Diplom Volkswirt und wurde 1967 zum Dr. jur. promoviert.

Nach seiner Mitarbeit am Institut für Konzentrationsforschung an der Freien Universität Berlin hat er 1972 eine umfassende Analyse der Antitrust-Politik in de n USA veröffentlicht.

Zunächst war er drei Jahre als Assistenzprofessor am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der FU Berlin tätig. Von 1974 bis zu seiner Emeritierung 2004 hatte er einen Lehrstuhl für Wirtschaftstheorie an der Universität Osnabrück. Neben der Lehrtätigkeit war er stark in der akademischen Selbstverwaltungengagiert. Gleichzeitig war er Mitglied in zahlreichen Kommissionen der wissenschaftlichen Politikberatung sowohl auf der Ebene einzelner Bundesländer wie auch auf der Ebene der Bundesrepublik.

Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören Medienökonomie, Technik-Folgenabschätzung und Krisenanalysen aus wirtschaftlicher, sozialer und rechtlicher Sicht.

Eine neue Aufgabe

Von Anfang 1993 bis Ende 1999 war er beurlaubt, um das Europäische Medieninstitut in Düsseldorf als dessen Generaldirektor zu leiten. Das Institut hatte Mitarbeiter aus 12 verschiedenen Ländern. Schwerpunkte der Arbeit dort waren

  • die unabhängige Beobachtung der Medien bei Wahlen in zentral- und osteuropäischen Ländern im Auftrag der EU Kommission mit mehr als 30 umfassenden Missionen
  • die jährliche Veranstaltung eines europäischen Film- und Fernsehforums, jeweils in einem anderen europäischen Land und
  • die vergleichende Medienforschung.

Er hat zahlreiche Artikel und umfassende Publikationen zu den Forschungsschwerpunkten verfasst, sowie zu den Themen des Europäischen Medieninstituts.

Er ist Inhaber des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse seit Mai 2001.

Dr. Jutta Lange-Quassowski, seine Frau ist Diplom Politologin (Berlin) und promovierte in Göttingen zum Dr. disc. pol.

Sie leitete gut 25 Jahre die Ernst-Strassmann-Stiftung. Schwerpunkt der Arbeit war die Aufarbeitung der deutschen Vergangenheit.

Zusätzlich ist sie kontinuierlich ehrenamtlich tätig und ist intensiv in die Arbeit an Europaedia eingebunden.

Sie sind glücklich verheiratet und haben 3 Söhne und 3 Enkelkinder.

Fakten, Mythen und die Seele Europas.

Bei Europaedia geht es um die verständliche Präsentation von Fakten und das Hinterfragen von Narrativen. Wir wollen nicht nur Probleme aufzeigen, sondern auch die „Seele“ der europäischen Gemeinschaft – ihre Kultur und Werte.

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