„Grünes“ Eisen, das erste Werk zur Herstellung und grünes Nickel

Datum

3.11.2025

Lesezeit

6 Minuten

Autor

Autorin

Prof. Dr. Bernd-Peter Lange

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Über den Autor

Über die Autorin

Prof. Dr. Bernd-Peter Lange

Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Namibia geht voran: Eröffnung für Herstellung von grünem Wasserstoff

Am 11. April 2025 beginnt das Projekt HyIron/Oshivela (In der Bantusprache: Eisen) in der Nähe von Windhook. Es schafft die Grundlage für die klimafreundliche Herstellung von Eisen m i t Hilfe von grünem Wasserstoff. Denn die dort eingesetzte Technologie leistet einen Beitrag, der die Eisen- und Stahlindustrie transformiert. Dazu stellt man unter Einsatz erneuerbarer Energie grünen Wasserstoff  her. So ersetzt das Projekt die Verwendung von Kohle oder Erdgas. Vor Ort sind gute lokale Bedingungen für die kostengünstige Herstellung von klimafreundlichem Wasserstoff vorhanden, eine  PV-Anlage und ein 12-Megawatt-Elektrolyseurs, sowie lokale Eisenerzvorkommen machen dies möglich. Ab sofort produziert die Anlage in der ersten Phase jährlich 15.000 Tonnen direkt reduziertes Eisen CO2-arm. Dafür entzieht man in einer Direktreduktionsanlage dem Eisenerz bei rund 1000 Grad den Sauerstoff. Die entstehende Eisenmasse nennt man Eisenschwamm. Ein neu entwickelter Ofen schmilzt dieses poröse reduzierte Eisen ein, zu Roheisen. Statt CO² entsteht dabei Wasserdampf.

Die deutsche Regierung unterstützt das Projekt. Bundeswirtschaftsminister R. Habeck hat im Dez. 2022 einen Scheck von rund 13 Millionen Euro überbracht. Das Konsortium, an das er den Bundeszuschuss übergeben hat, besteht aus den drei deutschen Unternehmen CO2Grab GmbH, TS Elino GmbH und LSF GmbH & Co. KG.

„Namibia hat ideale Voraussetzungen, um mit Hilfe von Wind- und Solarenergie grünen Wasserstoff herzustellen. Da Namibia große Eisenerzvorkommen hat, lässt sich hier mithilfe des grünen Wasserstoffs in direkter Nachbarschaft zu den Abbaustätten auch kostengünstig grünes Eisen produzieren – ein wichtiges Vorprodukt für die Dekarbonisierung der Stahlproduktion auch in Deutschland“, so der deutsche Minister.

Klimaneutrale Eisenproduktion für Deutschland und Namibia

Die Maßnahme ist Teil der fortgeschriebenen Nationalen Wasserstoffstrategie der Bundesregierung und sie unterstützt die Wasserstoff-Importstrategie. Aber nicht nur das. Sondern gleichzeitig bietet eine lokal entstehende Wasserstoffwirtschaft wichtige Chancen für den Aufbau grüner Wertschöpfungsketten auch in Namibia. Und damit beginnt eine offensichtlich langfristig angelegte deutsch-namibische Klima- und Energiekooperation. Dafür gibt es eigens einen Sonderbeauftragten aus Deutschland. Das Projekt ist die erste industrielle klimaneutrale Produktionsstätte für Eisen auf dem afrikanischen Kontinent.

Die Stahlproduktion ist bisher für etwa ein Achtel der weltweiten CO₂-Emissionen verantwortlich. Und sie trägt somit erheblich zum Klimawandel bei. In Deutschland geht man von 30% der CO²-Emissionen aus. Die deutsche Stahlfertigung kann den in Namibia produzierten Eisenschwamm z.B. als Vorprodukt nutzen. Damit können dann deutsche Unternehmen bspw. grünen Stahl für die Produktion von Windenergieanlagen oder Fahrzeugen herstellen, so Rainer Baake, der Sonderbeauftragte. Und er sagt andererseits: „Besonders wichtig in einem wasserarmen Land wie Namibia ist, dass Wasser bei diesem Projekt im Kreislauf geführt wird“. Deutsche Stahlhersteller bauen bereits an den Direktreduktionsanlagen. Nur steht grüner Wasserstoff vor Ort bisher nur selten zur Verfügung.

Die Kohlenstoffwende der deutschen Stahlindustrie

Mithilfe des klimafreundlichen Wasserstoffs können jährlich 27.000 Tonnen CO₂ eingespart werden – das entspricht etwa der Hälfte der jährlichen Treibhausgasemissionen der namibischen Stromwirtschaft. Pläne für eine zweite und dritte Ausbaustufe der Anlage sind bereits in Vorbereitung. Die deutsche Stahlindustrie importiert bislang jährlich mehrere Millionen Tonnen Eisen, das aber wird mithilfe fossiler Energieträger produziert. In Zukunft könnte grünes Eisen aus Oshivela diese emissionsintensiven Importe ersetzen, sowie darüber hinaus auch den Einsatz von Stahlschrott.

Laut Projektvertretern haben zahlreiche deutsche Partner bereits starkes Interesse an dem preislich wettbewerbsfähigen und darüber hinaus klimafreundlichen Eisen aus Namibia bekundet. Langfristig könnte Oshivela bis zu zwei Millionen Tonnen Eisen für die deutsche Stahlproduktion liefern und damit einen entscheidenden Beitrag zur Kohlenstoffwende, also der Dekarbonisierung der Branche leisten.

Die Schaffung eines grünen Leitmarktes für Stahl

Eine Frage, die sich – angesichts großer staatlicher Fördersummen für Transformation – ergibt, heißt: Weshalb schreibt der Staat selbst bei seinen Ausschreibungen für die neue Infrastruktur bei Brücken und bei Schienen nicht die Verwendung von grünem Stahl vor?

Die Antwort bisher ist relativ einfach: Die deutsche Dreier-Koalition bis 2024 hatte finanziell so gut wie keinen Spielraum, denn sowohl die Opposition wie auch eine Partei in der Regierung verweigerte der Koalition das Geld für große Projekte.

Insofern hat sich die abgestrafte Partei der Grünen, die der nächsten Regierung nicht angehören wird, äußerst honorig, weitsichtig und verantwortungsbewusst verhalten. Denn sie hat noch in der Wahlnacht angeboten und dann umgesetzt, der neuen schwarz-roten Regierung ein umfangreiches Investitionspaket zur Verfügung zu stellen. Die Regierung kann nun den wichtigen Beitrag dazu leisten, mit ihren „grünen“ Aufträgen die Nachfrage zu stärken. Das würde einen Leitmarkt schaffen und in Folge  zu sinkenden Preisen führen.  Außerdem will die neue schwarze Regierungspartei wohl auch einen Wechsel an der Spitze der Deutschen Bahn herbeiführen. Das hilft ja möglicherweise auch bei einer schnelleren und effektiveren Erneuerung der Gleise und sonstiger Bahn- Infrastruktur.

Grünes Nickel als Bestandteil von Stahl und anderen Anwendungen

Nickel ist Bestandteil von Edelstahl und von vielen anderen Legierungen für Spezialanwendungen. Außerdem wird das Metall auch

für die Produktion leistungsfähiger Lithium-Ionen-Batterien benötigt. Also wird der Bedarf an Nickel in Zukunft mächtig steigen.

Das ist ein großes Problem. Denn derzeit werden bei der Herstellung von einer Tonne Nickel, rund 20 Tonnen CO2 emittiert.

Aber ein Team des Max-Planck-Instituts für Nachhaltige Materialien hat nun ein klimafreundliches, energieeffizientes Verfahren zur Nickelgewinnung entwickelt. Mit dem neuen Prozess, der hier nicht im Einzelnen wieder gegeben wird, lassen sich die CO²-Emissionen um 84 Prozent  senken.

Da ist zu hoffen, dass der Prozess schnell von der Forschung in die Anwendung kommen wird.

SuSteelAG – Sustainable Steel from Australia and Germany

Auch in Australien entsteht ein großer Markt für nachhaltigen bzw. grünen Stahl. Denn neben den größten Eisenerzvorkommen, die für die westliche Welt zugänglich sind, bietet Australien so viel Sonne und Wind, dass es sich an die Produktion von grünem Wasserstoff gemacht hat. Nun will es vor Ort auch grünes Eisen produzieren und zwar in verschiedenen Qualitäten. Aus Deutschland sind verschiedenste Forschungsinstitutionen und Projektträger mit einer großen Fördersumme beteiligt. So besteht die Hoffnung, dass die Dekarbonisierung hier große Schritte nach vorn machen könnte und sogar dass Deutschland grüne Wasserstofftechnologie führend anbieten könnte.

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Über die Autoren

Prof. Dr. Bernd-Peter Lange

Dr. Jutta Lange-Quassowski

Der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler Bernd-Peter Lange studierte Rechts- und Staatswissenschaften in Bonn, wo er die 1. jur. Staatsprüfung 1963 ablegte. 1966 erwarb er den Diplom Volkswirt und wurde 1967 zum Dr. jur. promoviert.

Nach seiner Mitarbeit am Institut für Konzentrationsforschung an der Freien Universität Berlin hat er 1972 eine umfassende Analyse der Antitrust-Politik in de n USA veröffentlicht.

Zunächst war er drei Jahre als Assistenzprofessor am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der FU Berlin tätig. Von 1974 bis zu seiner Emeritierung 2004 hatte er einen Lehrstuhl für Wirtschaftstheorie an der Universität Osnabrück. Neben der Lehrtätigkeit war er stark in der akademischen Selbstverwaltungengagiert. Gleichzeitig war er Mitglied in zahlreichen Kommissionen der wissenschaftlichen Politikberatung sowohl auf der Ebene einzelner Bundesländer wie auch auf der Ebene der Bundesrepublik.

Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören Medienökonomie, Technik-Folgenabschätzung und Krisenanalysen aus wirtschaftlicher, sozialer und rechtlicher Sicht.

Eine neue Aufgabe

Von Anfang 1993 bis Ende 1999 war er beurlaubt, um das Europäische Medieninstitut in Düsseldorf als dessen Generaldirektor zu leiten. Das Institut hatte Mitarbeiter aus 12 verschiedenen Ländern. Schwerpunkte der Arbeit dort waren

  • die unabhängige Beobachtung der Medien bei Wahlen in zentral- und osteuropäischen Ländern im Auftrag der EU Kommission mit mehr als 30 umfassenden Missionen
  • die jährliche Veranstaltung eines europäischen Film- und Fernsehforums, jeweils in einem anderen europäischen Land und
  • die vergleichende Medienforschung.

Er hat zahlreiche Artikel und umfassende Publikationen zu den Forschungsschwerpunkten verfasst, sowie zu den Themen des Europäischen Medieninstituts.

Er ist Inhaber des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse seit Mai 2001.

Dr. Jutta Lange-Quassowski, seine Frau ist Diplom Politologin (Berlin) und promovierte in Göttingen zum Dr. disc. pol.

Sie leitete gut 25 Jahre die Ernst-Strassmann-Stiftung. Schwerpunkt der Arbeit war die Aufarbeitung der deutschen Vergangenheit.

Zusätzlich ist sie kontinuierlich ehrenamtlich tätig und ist intensiv in die Arbeit an Europaedia eingebunden.

Sie sind glücklich verheiratet und haben 3 Söhne und 3 Enkelkinder.

Fakten, Mythen und die Seele Europas.

Bei Europaedia geht es um die verständliche Präsentation von Fakten und das Hinterfragen von Narrativen. Wir wollen nicht nur Probleme aufzeigen, sondern auch die „Seele“ der europäischen Gemeinschaft – ihre Kultur und Werte.

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