UCPM, das Katastrophenschutzverfahren der EU

Datum

16.1.2026

Lesezeit

3 Minuten

Autor

Autorin

Prof. Dr. Bernd-Peter Lange

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Über den Autor

Über die Autorin

Prof. Dr. Bernd-Peter Lange

Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Aus aktuellem Anlass: Crans-Montana, Schweiz

Wer weiß schon, was wir der EU alles zu verdanken haben!

Aufgrund einer fast beispiellosen Brandkatastrophe, die überwiegend sehr junge Menschen, die ins neue Jahr feierten, betroffen hat, tritt ein Notstand ein. Denn die gesamte Schweiz ist vollkommen überfordert. Nicht wegen der 40 Toten. Sondern aufgrund der großen Anzahl von Schwerverletzten: 116 vorwiegend Jugendliche aus der Schweiz, aber auch aus Frankreich und Italien. Nur für etwa 50 schwerste Brandopfer hat die Schweiz die notwendige Behandlungskapazität.

Aber das Land ist nicht nur nicht Mitglied der EU. Die Schweiz hat es – noch im November 2025 – abgelehnt,  dem Verfahren der EU zum Schutz gerade auch ziviler Opfer vor schlimmsten Katastrophen (UCPM, Union Civil Protection Mechanism)  beizutreten. Denn das hätte einen jährlichen Mitgliedsbeitrag von 10 Millionen Franken gekostet. Elf Staaten von außerhalb der EU sind dem UCPM beigetreten, darunter viele arme und kleine Staaten aus Osteuropa, aber auch z.B. Norwegen oder die Türkei.

Das Zentrum für die Koordination von Notfallmaßnahmen (ERCC)

ist das Herzstück der notfalls sehr weit greifenden zivilen Hilfe. Es überwacht Ereignisse seit 2001 weltweit und das rund um die Uhr. Aus Brüssel koordiniert es die Anstrengungen zur Katastrophenbewältigung. Es hat auch jetzt sofort reagiert.  Wenn möglich hat es   – den sprachlichen Hintergrund der Schwerverletzten berücksichtigend- diese in Spezialkliniken für Brandverletzungen ihrer Heimatländer, bzw.  nach Deutschland oder Belgien geflogen.

2019 hat die EU darüber hinaus eine rescEU-Reserve eingerichtet. Sie umfasst sieben große Bereiche, wie z.B. Löschflugzeuge oder aber sogar Kapazitäten zur Reaktion auf chemische, biologische, radiologische und nukleare Vorfälle. Auch danach hat die EU weitere Maßnahmen beschlossen, um auch auf neu auftretende Gefahren vorbereitet zu sein.

Ob die Vorsorge übertrieben ist, wie Schweizer Verantwortliche noch jüngst meinten

Nein. Denn jedes Land der Welt kann die Hilfe in Anspruch nehmen, sogar die UNO, wenn die eigenen Kräfte nicht ausreichen, um einer Katastrophe Herr zu werden. Da der Katastrophenschutz zum Austausch bewährter Verfahren beiträgt, erleichtert dies die kontinuierliche
Entwicklung höherer gemeinsamer Standards. Dies ermöglicht den Teams, unterschiedliche Ansätze besser zu verstehen und im Katastrophenfall untereinander austauschbar zu arbeiten, also immer effizienter zu werden.

Seit 2001, also seit Bestehen hat man die Hilfe der EU innerhalb und außerhalb der EU mehr als 770-mal aktiviert. In diesem Jahrzehnt geschah das z.B. bei den Rückführungen aus Afghanistan, aufgrund von Notlagen durch die COVID-Epidemie, während des verheerenden Erdbebens, das die Türkei und Syrien erschütterte. Außerdem war die Hilfe aufgrund von Waldbränden und Überschwemmungen vonnöten. Und schließlich haben auch die Konflikte im Nahen Osten, sowie der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine zu vielen Notfällen geführt, die die eigenen Kräfte vor Ort weit überstiegen.

Bisher ist nicht absehbar, wie viele von den schwerst geschädigten Brand-Opfern aus der Kellerbar die langwierigen Operationen überleben werden. Es sind nicht nur Jugendliche, sondern zur Hälfte sogar Minderjährige. Dennoch sind die Angehörigen sicherlich überaus dankbar, dass das Katastrophenschutzverfahren der EU noch am Neujahrstag eingreifen  und die aufwendigen Behandlungen auch außerhalb der Schweiz in Gang setzen konnte. Die Zeit überschreibt den Bericht dazu sehr passend: Europa kämpft um ihr Leben.

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Über die Autoren

Prof. Dr. Bernd-Peter Lange

Dr. Jutta Lange-Quassowski

Der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler Bernd-Peter Lange studierte Rechts- und Staatswissenschaften in Bonn, wo er die 1. jur. Staatsprüfung 1963 ablegte. 1966 erwarb er den Diplom Volkswirt und wurde 1967 zum Dr. jur. promoviert.

Nach seiner Mitarbeit am Institut für Konzentrationsforschung an der Freien Universität Berlin hat er 1972 eine umfassende Analyse der Antitrust-Politik in de n USA veröffentlicht.

Zunächst war er drei Jahre als Assistenzprofessor am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der FU Berlin tätig. Von 1974 bis zu seiner Emeritierung 2004 hatte er einen Lehrstuhl für Wirtschaftstheorie an der Universität Osnabrück. Neben der Lehrtätigkeit war er stark in der akademischen Selbstverwaltungengagiert. Gleichzeitig war er Mitglied in zahlreichen Kommissionen der wissenschaftlichen Politikberatung sowohl auf der Ebene einzelner Bundesländer wie auch auf der Ebene der Bundesrepublik.

Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören Medienökonomie, Technik-Folgenabschätzung und Krisenanalysen aus wirtschaftlicher, sozialer und rechtlicher Sicht.

Eine neue Aufgabe

Von Anfang 1993 bis Ende 1999 war er beurlaubt, um das Europäische Medieninstitut in Düsseldorf als dessen Generaldirektor zu leiten. Das Institut hatte Mitarbeiter aus 12 verschiedenen Ländern. Schwerpunkte der Arbeit dort waren

  • die unabhängige Beobachtung der Medien bei Wahlen in zentral- und osteuropäischen Ländern im Auftrag der EU Kommission mit mehr als 30 umfassenden Missionen
  • die jährliche Veranstaltung eines europäischen Film- und Fernsehforums, jeweils in einem anderen europäischen Land und
  • die vergleichende Medienforschung.

Er hat zahlreiche Artikel und umfassende Publikationen zu den Forschungsschwerpunkten verfasst, sowie zu den Themen des Europäischen Medieninstituts.

Er ist Inhaber des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse seit Mai 2001.

Dr. Jutta Lange-Quassowski, seine Frau ist Diplom Politologin (Berlin) und promovierte in Göttingen zum Dr. disc. pol.

Sie leitete gut 25 Jahre die Ernst-Strassmann-Stiftung. Schwerpunkt der Arbeit war die Aufarbeitung der deutschen Vergangenheit.

Zusätzlich ist sie kontinuierlich ehrenamtlich tätig und ist intensiv in die Arbeit an Europaedia eingebunden.

Sie sind glücklich verheiratet und haben 3 Söhne und 3 Enkelkinder.

Fakten, Mythen und die Seele Europas.

Bei Europaedia geht es um die verständliche Präsentation von Fakten und das Hinterfragen von Narrativen. Wir wollen nicht nur Probleme aufzeigen, sondern auch die „Seele“ der europäischen Gemeinschaft – ihre Kultur und Werte.

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