Aus aktuellem Anlass: Crans-Montana, Schweiz
Wer weiß schon, was wir der EU alles zu verdanken haben!
Aufgrund einer fast beispiellosen Brandkatastrophe, die überwiegend sehr junge Menschen, die ins neue Jahr feierten, betroffen hat, tritt ein Notstand ein. Denn die gesamte Schweiz ist vollkommen überfordert. Nicht wegen der 40 Toten. Sondern aufgrund der großen Anzahl von Schwerverletzten: 116 vorwiegend Jugendliche aus der Schweiz, aber auch aus Frankreich und Italien. Nur für etwa 50 schwerste Brandopfer hat die Schweiz die notwendige Behandlungskapazität.
Aber das Land ist nicht nur nicht Mitglied der EU. Die Schweiz hat es – noch im November 2025 – abgelehnt, dem Verfahren der EU zum Schutz gerade auch ziviler Opfer vor schlimmsten Katastrophen (UCPM, Union Civil Protection Mechanism) beizutreten. Denn das hätte einen jährlichen Mitgliedsbeitrag von 10 Millionen Franken gekostet. Elf Staaten von außerhalb der EU sind dem UCPM beigetreten, darunter viele arme und kleine Staaten aus Osteuropa, aber auch z.B. Norwegen oder die Türkei.
Das Zentrum für die Koordination von Notfallmaßnahmen (ERCC)
ist das Herzstück der notfalls sehr weit greifenden zivilen Hilfe. Es überwacht Ereignisse seit 2001 weltweit und das rund um die Uhr. Aus Brüssel koordiniert es die Anstrengungen zur Katastrophenbewältigung. Es hat auch jetzt sofort reagiert. Wenn möglich hat es – den sprachlichen Hintergrund der Schwerverletzten berücksichtigend- diese in Spezialkliniken für Brandverletzungen ihrer Heimatländer, bzw. nach Deutschland oder Belgien geflogen.
2019 hat die EU darüber hinaus eine rescEU-Reserve eingerichtet. Sie umfasst sieben große Bereiche, wie z.B. Löschflugzeuge oder aber sogar Kapazitäten zur Reaktion auf chemische, biologische, radiologische und nukleare Vorfälle. Auch danach hat die EU weitere Maßnahmen beschlossen, um auch auf neu auftretende Gefahren vorbereitet zu sein.
Ob die Vorsorge übertrieben ist, wie Schweizer Verantwortliche noch jüngst meinten
Nein. Denn jedes Land der Welt kann die Hilfe in Anspruch nehmen, sogar die UNO, wenn die eigenen Kräfte nicht ausreichen, um einer Katastrophe Herr zu werden. Da der Katastrophenschutz zum Austausch bewährter Verfahren beiträgt, erleichtert dies die kontinuierliche
Entwicklung höherer gemeinsamer Standards. Dies ermöglicht den Teams, unterschiedliche Ansätze besser zu verstehen und im Katastrophenfall untereinander austauschbar zu arbeiten, also immer effizienter zu werden.
Seit 2001, also seit Bestehen hat man die Hilfe der EU innerhalb und außerhalb der EU mehr als 770-mal aktiviert. In diesem Jahrzehnt geschah das z.B. bei den Rückführungen aus Afghanistan, aufgrund von Notlagen durch die COVID-Epidemie, während des verheerenden Erdbebens, das die Türkei und Syrien erschütterte. Außerdem war die Hilfe aufgrund von Waldbränden und Überschwemmungen vonnöten. Und schließlich haben auch die Konflikte im Nahen Osten, sowie der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine zu vielen Notfällen geführt, die die eigenen Kräfte vor Ort weit überstiegen.
Bisher ist nicht absehbar, wie viele von den schwerst geschädigten Brand-Opfern aus der Kellerbar die langwierigen Operationen überleben werden. Es sind nicht nur Jugendliche, sondern zur Hälfte sogar Minderjährige. Dennoch sind die Angehörigen sicherlich überaus dankbar, dass das Katastrophenschutzverfahren der EU noch am Neujahrstag eingreifen und die aufwendigen Behandlungen auch außerhalb der Schweiz in Gang setzen konnte. Die Zeit überschreibt den Bericht dazu sehr passend: Europa kämpft um ihr Leben.


