Start up und scale up Strategie der EU

Datum

21.6.2025

Lesezeit

5 Minuten

Autor

Autorin

Prof. Dr. Bernd-Peter Lange

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Über den Autor

Über die Autorin

Prof. Dr. Bernd-Peter Lange

Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften


Neue Strategie der EU

Nun soll endlich auch Europa ein großer Kontinent für innovatives technologisches Wirtschaften werden. Das Problem bisher: Es gibt zwar eine aktive und erfindungsreiche Start up Szene in Europa. Aber, sobald die Gründungsphase überwunden ist und es um das Wachstum technologieorientierter Unternehmen geht,  fehlt das notwendige Kapital, um sie auf den Markt zu bringen. Dabei würde eine Skalierung, also die Expansionsmöglichkeit des Geschäftsmodells hochwertige  und zukunftsfähige Arbeitsplätze schaffen. Und sie könnte außerdem helfen, strategische bzw. geopolitische Abhängigkeiten zu reduzieren bzw. zu verhindern, und die europäische Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Gerade in einer Phase der Transformation weg von fossilen Energien und hin zur Nachhaltigkeit ist die Wirtschaft auf besonders viele Ideen (start ups) und deren Skalierbarkeit vor Ort (in Europa) angewiesen.

Das hat die EU-Kommission erkannt und nun in eine Strategie umgesetzt. Und damit konkretisiert die EU ihre Überlegungen zu dem neuen Schwerpunkt-Bereich dieser Wahlperiode weiter. Am 28.5.2025 hat sie ein Konzept vorgelegt, um die immer wieder auftretenden Schwierigkeiten und die Finanzierungslücken zu überwinden. Dafür sieht die Kommission Unterstützung in fünf Bereichen vor.

Förderung eines innovationsfreundlichen Umfelds

Schon die neue Binnenmarktstrategie zielt auf weniger Verwaltungsaufwand und einfachere Vorschriften. Auch in Bereichen wie Insolvenz-, Arbeits- und Steuerrecht will die Kommission kritische Aspekte überprüfen, unter anderem, um Kosten des Scheiterns zu senken. Und Modernisierungen durch das European Business Wallet sollen digitale Interaktionen mit öffentlichen Verwaltungen in ganz Europa ermöglichen.

Verbesserung der Finanzierungen mit Hilfe von TechEU

Unter diesem Punkt finden sich ebenso die verschiedensten Gedanken und Vorkehrungen. So muss der EU-Risikokapitalmarkt vergrößert und sicherer gestaltet werden. Und ebenso muss die Kommission versuchen, eine Beteiligung europäischer institutioneller Investoren zu stärken. Sie muss die EU hin  zu an einer Spar- und Investitionsunion und weiteren unterstützenden Institutionen für Innovation und Scalierung entwickeln.

TechEU soll eine Aufstockung der Finanzierungsmöglichkeiten für Start-ups bringen. Die EIB, die Europäische Investitionsbank will dazu neue Finanzierungsmöglichkeiten auf den Markt bringen, die schneller und einfacher sein sollen. Das Programm soll genau auf die junge europäische Tech-Branche zugeschnitten sein  und 70 Mrd. € bereit stellen. Die Bank hofft, so in den kommenden zwei bis drei Jahren zusammen mit privaten Mitteln 250 Mrd. € an Investitionen mobilisieren zu können.

Unterstützung der Marktakzeptanz und Expansion

Die Überschriften machen bereits deutlich: Wir befinden uns in einem fundamentalen Umbruchprozess, der vergleichbar ist mit der industriellen Revolution. Um in der polarisierten Welt mit mehreren Machtzentren nicht ins Hintertreffen zu geraten, bedarf es der massiven Steuerung und Unterstützung der wichtigen Transformationsprozesse. Denn gleichzeitig fordert uns die Klimakrise, die uns bald immer mehr bedroht, heraus. Das Zeitfenster, um nachhaltig zu produzieren, wird rasant kleiner.

Deshalb führt die Strategie eine „Lab to Unicorn“ Initiative ein, um die neue Szene mit Hochschulökosystemen in der gesamten EU zu vernetzen. Fragen des geistigen Eigentums und dessen Vermarktung etc. werden hier in den Fokus genommen.

Gewinnung und Bindung von Spitzenkräften

Eine neue Initiative „Blue Carpet“ und eine Blue Card-Richtlinie sollen nicht nur die Bindung zwischen Unternehmen und qualifizierten Mitarbeiter*innen stärken, sondern auch die Einwanderung von Gründern aus Drittstaaten fördern.

Erleichterung des Zugangs zu Infrastruktur, Netzwerken und Dienstleistungen

Eine Zugangscharta für industrielle Nutzer  soll zu  kürzeren Markteinführungszeiten und eine schnelleren Kommerzialisierung führen.

Zusammengefasst heißt das mit den Worten von Stéphane Séjourné, dem Kommissar für Wohlstand und Industriestrategie:

Unternehmen, die in Europa gegründet werden, müssen in Europa wachsen. Mit der Einführung der EU-Strategie für Start-ups und Scale-ups erschließen wir Wachstumsmotoren für die innovativsten und vielversprechendsten Unternehmen Europas.

Die Kommission wird die Fortschritte im Auge behalten und Ende 2027 Bericht erstatten.

Die  Chemie-Industrie für Plastik, eine gigantische Aufgabe für Transformation

Welch ein „Segen“ war vor gut 60 Jahren die Erfindung von Plastik. Nur ein kleines Beispiel: wollten wir Sonntags zum Kuchen Sahne essen, mussten wir Sonntagmorgen zum Milchladen laufen und dort in einem kleinen Topf flüssige Sahne holen, um sie nachmittags mit dem Schneebesen solange kräftig zu schlagen, bis sie steif war. Mittlerweile gehen wir an  ganzen Regalwänden mit Lebensmitteln in Plastikbehältern entlang.

Aber selbst wenn wir diese später in gelben Säcken entsorgen und selbst, wenn inzwischen manche Plastikprodukte nach einer Zeit in Mikroplastik zerfallen, wissen wir heute um das übergroße Problem des Plastikmülls. Inzwischen ist bekannt, dass selbst Pflanzen über ihre Blätter Mikroplastik einatmen!

Die EU hat bereits mehrere Gesetze zur  Entsorgung erlassen. Das jedoch packt das Problem nicht an der Wurzel, denn die Plastikmüllberge wachsen weiter zu Lande und in den Ozeanen (s. da :Verschmutzung der Meere). Dort treiben bereits 263 Millionen Tonnen – ganze Inseln. Und noch ist die Tendenz, dass sich die jährliche Produktion weiter erhöht.

Die Recycling-Aufgabe der Chemieindustrie

Die Verbrennung von Plastik-Müll ist keineswegs eine nachhaltige Lösung. Die Verschiffung noch weniger. Unsere gelben Säcke sind vielfach in Entwicklungsländern als riesige Müllkippen wieder aufgetaucht. Sie verpesten dort die Umwelt (s. das. unter 2. Wohin mit dem Müll). Bislang ist das Recycling von Plastik nur in geringem Umfang gelungen: nur zu 7%.

Chemiker müssen deshalb nun das „produktive Zerstören“ neu lernen. Dafür muss das Denken und die dies bezogene „Wissenschaft die Richtung ändern“, sagt eine Professorin für Technische Chemie der RWTH Aachen. Es geht darum, die ausgebrauchten Produkte wieder zu zerlegen und zwar möglichst in neu zu schaffende Kunststoffe für neue Produkte. Oder aber man schafft es zumindest, die alten Bestandteile unschädlich zu machen.

Es heißt: Chemie ist immer noch ein „Geduldsspiel“. Kommt es zu einem Erfolg, ist nicht garantiert, dass dieser sich erneut einstellt. Und als die ersten Versuche gelangen, war es dennoch schwer, einen Bericht darüber zu publizieren. Die chemische Forschung scheint erst seit kurzem reif für einen Paradigmenwechsel. Umso wichtiger, dass die EU die Umkehr mit den oben skizierten Maßnahmen unterstützt,  forciert und beschleunigt.

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Über die Autoren

Prof. Dr. Bernd-Peter Lange

Dr. Jutta Lange-Quassowski

Der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler Bernd-Peter Lange studierte Rechts- und Staatswissenschaften in Bonn, wo er die 1. jur. Staatsprüfung 1963 ablegte. 1966 erwarb er den Diplom Volkswirt und wurde 1967 zum Dr. jur. promoviert.

Nach seiner Mitarbeit am Institut für Konzentrationsforschung an der Freien Universität Berlin hat er 1972 eine umfassende Analyse der Antitrust-Politik in de n USA veröffentlicht.

Zunächst war er drei Jahre als Assistenzprofessor am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der FU Berlin tätig. Von 1974 bis zu seiner Emeritierung 2004 hatte er einen Lehrstuhl für Wirtschaftstheorie an der Universität Osnabrück. Neben der Lehrtätigkeit war er stark in der akademischen Selbstverwaltungengagiert. Gleichzeitig war er Mitglied in zahlreichen Kommissionen der wissenschaftlichen Politikberatung sowohl auf der Ebene einzelner Bundesländer wie auch auf der Ebene der Bundesrepublik.

Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören Medienökonomie, Technik-Folgenabschätzung und Krisenanalysen aus wirtschaftlicher, sozialer und rechtlicher Sicht.

Eine neue Aufgabe

Von Anfang 1993 bis Ende 1999 war er beurlaubt, um das Europäische Medieninstitut in Düsseldorf als dessen Generaldirektor zu leiten. Das Institut hatte Mitarbeiter aus 12 verschiedenen Ländern. Schwerpunkte der Arbeit dort waren

  • die unabhängige Beobachtung der Medien bei Wahlen in zentral- und osteuropäischen Ländern im Auftrag der EU Kommission mit mehr als 30 umfassenden Missionen
  • die jährliche Veranstaltung eines europäischen Film- und Fernsehforums, jeweils in einem anderen europäischen Land und
  • die vergleichende Medienforschung.

Er hat zahlreiche Artikel und umfassende Publikationen zu den Forschungsschwerpunkten verfasst, sowie zu den Themen des Europäischen Medieninstituts.

Er ist Inhaber des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse seit Mai 2001.

Dr. Jutta Lange-Quassowski, seine Frau ist Diplom Politologin (Berlin) und promovierte in Göttingen zum Dr. disc. pol.

Sie leitete gut 25 Jahre die Ernst-Strassmann-Stiftung. Schwerpunkt der Arbeit war die Aufarbeitung der deutschen Vergangenheit.

Zusätzlich ist sie kontinuierlich ehrenamtlich tätig und ist intensiv in die Arbeit an Europaedia eingebunden.

Sie sind glücklich verheiratet und haben 3 Söhne und 3 Enkelkinder.

Fakten, Mythen und die Seele Europas.

Bei Europaedia geht es um die verständliche Präsentation von Fakten und das Hinterfragen von Narrativen. Wir wollen nicht nur Probleme aufzeigen, sondern auch die „Seele“ der europäischen Gemeinschaft – ihre Kultur und Werte.

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