Replik auf den Kommentar von MdEP Christine Schneider. Der MdEP Martin Häusling, Agrarpolitischer Sprecher für Die Grünen/EPA

Datum

21.2.2022

Lesezeit

3 Minuten

Autor

Autorin

Prof. Dr. Bernd-Peter Lange

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Über den Autor

Über die Autorin

Prof. Dr. Bernd-Peter Lange

Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

22.2.2021 Heute erreicht uns eine Entgegnung auf die Kontroverse, die Frau MdEP Schneider bezogen auf unsere Aktuellen Nachrichten zur  Agrarpolitik vom 24.10.2020 eröffnet hat.

Martin Häusling MdEP

Von „Systemwechsel“ kann keine Rede sein

Von Martin Häusling MdEP, Grüne/EFA

Der „Systemwechsel“ von dem Kollegin Schneider spricht, ist eine Erfindung ihrer Parteikollegin Klöckner und hat leider mit der Realität wenig zu tun.

Behauptet wird: Alle Direktzahlungen der ersten Säule seien zukünftig an die Umsetzung von Umwelt- und Klimaleistungen geknüpft. Und:

Mindestens 20 Prozent der Direktzahlungen sollen zukünftig an höhere Umwelt- und Klimaleistungen geknüpft werden.

Um Geld aus diesen 20 Prozent zu erhalten, müssen die Landwirte zukünftig so genannte Öko-Regelungen umsetzen – das sind strenge einjährige Umwelt- und Klimamaßnahmen.

Fakt ist:

Auch aktuell müssen alle Landwirte bereits verpflichtend Greening-Auflagen einhalten und zwar auf der ganzen Fläche.

Die neu einzuführenden „Eco-Schemes“ sind dagegen aber freiwillig. Landwirte können sie durchführen, sie müssen das aber nicht.

Wie die „Eco-Schemes“ aussehen sollen, steht noch gar nicht genau fest. Der Rat hat unter Frau Klöckners Vorsitz sogar vereinbart, dass dieses Angebot erst nach 2 Jahren voll greifen soll.

Diejenigen, die keine Eco-Schemes machen wollen, müssen sogar um einiges niedrigere Anforderungen einhalten als die Anforderungen, die aktuell im Greening verpflichtend sind.

Auch bisher müssen die Betriebe in der Praxis gesetzliche Regelungen einhalten im Bezug auf den Bodenschutz, sowie den Wasserschutz und auch die Anwendung von Pestiziden betreffend.

Das hieß früher Cross Compliance, nun heißt es Konditionalität.

Während der größte Anteil der Zahlungen nach wie vor unqualifiziert an konventionelle Betriebe geht, bleibt der Ökolandbau wie bisher nur eine von vielen Maßnahmen, die die Bundesländer mit den Geldern für den ländlichen Raum finanzieren können, anstatt Leitbild zu sein. Die Gelder für den ländlichen Raum sowie für Ökolandbau und auch Agrarumweltmaßnahmen machen dabei nur einen Bruchteil von dem aus, was ohne Auflagen an Betriebe gezahlt werden kann.

Bisher wurden außerdem die fortschrittlichen Ziele der EU-Biodiversitäts-Strategie und auch der Farm to Fork Strategie nicht ansatzweise mit in die Verhandlungen einbezogen. (vgl. auch das Interview vom 21.10.2020)

Der Bezeichnung Systemwechsel widersprechen außerdem viele Wissenschaftler:

40 Wissenschaftler aus verschiedenen Mitgliedstaaten haben an das Europaparlament sowie an den Rat und an die Mitgliedstaaten appelliert, die derzeitigen Vorschläge zu überdenken.

Darunter sind Prof. Bernd Hansjürgens, Dr. Guy Pe’er und Prof. Ralf Seppelt von Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) und die Agrarökonomen Dr. Norbert Röder vom Thünen Institut für ländliche Räume sowie Prof. Sebastian Lakner von der Universität Rostock.

Ihrer Einschätzung nach stehen die derzeitigen Vorschläge für ein „business as usual“. Und sie stehen damit einem nachhaltigen Landwirtschaftsmodell mit lebendigen ländlichen Räumen entgegen.

Hier die ausführliche Kritik von Prof. S. Lakner, Professor für Agrarökonomie an der Agrar- und Umweltwissenschaftlichen Fakultät Universität Rostock.

Auch Prof. H. Grethe, der ehemalige Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirats für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz (WBAE) beim Bundeslandwirtschaftsministerium sieht weiterhin dringend Reformbedarf und stärkt dem Appell der Jugendorganisationen zur Verbesserung der GAP den Rücken.

Bleibt die Frage:

Über was genau hat Kollegin Schneider eigentlich geschrieben?

Kontakt: info@martin-haeusling.de

Facebook: @martin.haeusling

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Über die Autoren

Prof. Dr. Bernd-Peter Lange

Dr. Jutta Lange-Quassowski

Der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler Bernd-Peter Lange studierte Rechts- und Staatswissenschaften in Bonn, wo er die 1. jur. Staatsprüfung 1963 ablegte. 1966 erwarb er den Diplom Volkswirt und wurde 1967 zum Dr. jur. promoviert.

Nach seiner Mitarbeit am Institut für Konzentrationsforschung an der Freien Universität Berlin hat er 1972 eine umfassende Analyse der Antitrust-Politik in de n USA veröffentlicht.

Zunächst war er drei Jahre als Assistenzprofessor am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der FU Berlin tätig. Von 1974 bis zu seiner Emeritierung 2004 hatte er einen Lehrstuhl für Wirtschaftstheorie an der Universität Osnabrück. Neben der Lehrtätigkeit war er stark in der akademischen Selbstverwaltungengagiert. Gleichzeitig war er Mitglied in zahlreichen Kommissionen der wissenschaftlichen Politikberatung sowohl auf der Ebene einzelner Bundesländer wie auch auf der Ebene der Bundesrepublik.

Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören Medienökonomie, Technik-Folgenabschätzung und Krisenanalysen aus wirtschaftlicher, sozialer und rechtlicher Sicht.

Eine neue Aufgabe

Von Anfang 1993 bis Ende 1999 war er beurlaubt, um das Europäische Medieninstitut in Düsseldorf als dessen Generaldirektor zu leiten. Das Institut hatte Mitarbeiter aus 12 verschiedenen Ländern. Schwerpunkte der Arbeit dort waren

  • die unabhängige Beobachtung der Medien bei Wahlen in zentral- und osteuropäischen Ländern im Auftrag der EU Kommission mit mehr als 30 umfassenden Missionen
  • die jährliche Veranstaltung eines europäischen Film- und Fernsehforums, jeweils in einem anderen europäischen Land und
  • die vergleichende Medienforschung.

Er hat zahlreiche Artikel und umfassende Publikationen zu den Forschungsschwerpunkten verfasst, sowie zu den Themen des Europäischen Medieninstituts.

Er ist Inhaber des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse seit Mai 2001.

Dr. Jutta Lange-Quassowski, seine Frau ist Diplom Politologin (Berlin) und promovierte in Göttingen zum Dr. disc. pol.

Sie leitete gut 25 Jahre die Ernst-Strassmann-Stiftung. Schwerpunkt der Arbeit war die Aufarbeitung der deutschen Vergangenheit.

Zusätzlich ist sie kontinuierlich ehrenamtlich tätig und ist intensiv in die Arbeit an Europaedia eingebunden.

Sie sind glücklich verheiratet und haben 3 Söhne und 3 Enkelkinder.

Fakten, Mythen und die Seele Europas.

Bei Europaedia geht es um die verständliche Präsentation von Fakten und das Hinterfragen von Narrativen. Wir wollen nicht nur Probleme aufzeigen, sondern auch die „Seele“ der europäischen Gemeinschaft – ihre Kultur und Werte.

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