Mit Verlaub Herr Bundespräsident, 8.2.2021:

Datum

10.11.2025

Lesezeit

4 Minuten

Autor

Autorin

Prof. Dr. Bernd-Peter Lange

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Über den Autor

Über die Autorin

Prof. Dr. Bernd-Peter Lange

Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Zur Neutralität und Ausgewogenheit verpflichtet

Der oberste Repräsentant des deutschen Volkes greift bedauerlicherweise zu einer einseitigen Stellungnahme. Der Bundespräsident nennt die umstrittene Pipeline North Stream 2 „eine Brücke“ zwischen Russland und Europa, um im Gespräch bleiben zu können. Zur „Rechtfertigung“ für den in Europa stark umstrittenen Bau der Pipeline bemüht er die unsägliche deutsche Geschichte.  Aber ohne diese im Detail zu benennen, spricht er nur von Russland. Und er setzt dies mit  der Sowjetunion (SU) gleich.  (Interview ) Er meint damit: weil „wir“ der SU = Russland so viel Leid angetan haben, sind „wir“ als Deutsche heute in besonderer Weise Russland  verpflichtet.

Andere Völker aber – die Russland geographisch nach Westen vorgelagert sind – haben in dem von Nazi-Deutschland angezettelten 2. Weltkrieg im Vergleich  damals einen viel höheren Blutzoll zahlen müssen als Russland. Auch waren sie oft ganz von Feinen besetzt.

Die Absicht von Putin

Gerade um diese Länder im Besonderen geht es jedoch bei der Pipeline. Denn Putin will deren Schicksal mit Hilfe der Pipelines North Stream 1 und 2, die durch die Ostsee gehen, instrumentalisieren bzw. in die Hand bekommen. Die beiden Ostsee-Pipelines umgehen diese Länder komplett.  Putin will diese osteuropäischen Länder, die ihre Energie aus der Ukraine-Pipeline beziehen, auf Gedeih und Verderb von Russland abhängig machen. Das ist eines der Mittel für ihn, um wieder Herrschaft über sie ausüben zu können. Die Ukraine verliert dann nicht nur die Durchleitungsgebühren, sondern er kann der Bevölkerung der Länder im Winter den Gashahn zu drehen – wie er es schon zweimal praktiziert hat. So kann er dann Druck auf deren Regierungen ausüben und sie sich gefügig machen.

Platz schaffen für „das Volk ohne Raum“

Als Hitler vor 80 Jahren das Sowjetreich  angreifen ließ, waren davon zunächst mal zwei lange Jahre  Polen, die Ukraine und Weißrussland betroffen. (Auch die baltischen Staaten, in denen  – aufgrund des Hitler Stalin Paktes – zunächst die Sowjets wüteten). Es ging dabei nicht nur um die Eroberung der Gebiete. Sondern das NS-Regime führte besonders in diesen drei Länder auch eine barbarische Vernichtungspolitik  aus. ImGeneralplan Ost“ hatten Hitler und seine Schergen diese Genozide an der dort ansässigen Bevölkerung  Monate vor Beginn des Angriffs so geplant. Und mit Beginn des Krieges haben die führenden Nazis die Durchführung der Genozide angeordnet. Die deutschen Invasoren brannten die Häuser großflächig nieder und verwüsteten das Land. Und sie brachten vorsätzlich überall  20-25% der Bevölkerung um – Frauen, Kinder, Alte, die jüdischen Bewohner eingerechnet – ,   d.h. also rund ein Viertel der jeweiligen Bevölkerung.

Ersatz für die kämpfenden deutschen Männer

Dazu kamen die zwangsweise von dort nach Deutschland  Deportierten: Frauen und Männer ab 14 Jahren. Sie mussten hier die Wirtschaft am Laufen halten. Allein fast 2 Millionen Ukrainer*innen. Aufgrund von Mangelernährung  starben auch hier viele von ihnen. Zwar wurden sie alle „Ostarbeiter“ genannt, aber sie waren  keine Russen! Auch diese Zwangsarbeiter*innen wurden vom Bundespräsidenten nicht erwähnt. Um die Entschädigung dieser Menschen wurde zu Beginn dieses Jahrhunderts in Deutschland jahrelang gerungen. Auch sie sollten also im Gedächtnis unseres höchsten Politikers präsent sein. (vgl. hier ).

Die Idee von der Herrenrasse und der fruchtbare Boden weckte die Habsucht

Bis heute sind die von den Nazis geplanten Vernichtungsaktionen gegen die Bewohner*innen der Kornkammer Europas (die Ukraine) auch in der deutschen Bevölkerung kaum bekannt. Insofern wäre es sehr wünschenswert und es würde sich anbieten, wenn der Bundespräsident eine Expertenrunde von Rechtswissenschaftlern und Historikern dazu einladen würde, allen voran Prof. Dr. Diemut Majer, die den Generalplan Ost schon in den siebziger Jahren umfangreich erforscht hat. Das war in Deutschland besonders in der Rechtswissenschaft damals noch extrem unerwünscht. So konnte sie sich damit nur unter großen Schwierigkeiten im Ausland habilitieren und die Arbeit erst in den Achtzigern veröffentlichen. Außerdem würden sich Wolfram Wette und Timothy Snyder anbieten, um den Generalplan Ost und die Kriegführung des NS-Regimes in Osteuropa zu diskutieren und endlich auch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen.

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Über die Autoren

Prof. Dr. Bernd-Peter Lange

Dr. Jutta Lange-Quassowski

Der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler Bernd-Peter Lange studierte Rechts- und Staatswissenschaften in Bonn, wo er die 1. jur. Staatsprüfung 1963 ablegte. 1966 erwarb er den Diplom Volkswirt und wurde 1967 zum Dr. jur. promoviert.

Nach seiner Mitarbeit am Institut für Konzentrationsforschung an der Freien Universität Berlin hat er 1972 eine umfassende Analyse der Antitrust-Politik in de n USA veröffentlicht.

Zunächst war er drei Jahre als Assistenzprofessor am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der FU Berlin tätig. Von 1974 bis zu seiner Emeritierung 2004 hatte er einen Lehrstuhl für Wirtschaftstheorie an der Universität Osnabrück. Neben der Lehrtätigkeit war er stark in der akademischen Selbstverwaltungengagiert. Gleichzeitig war er Mitglied in zahlreichen Kommissionen der wissenschaftlichen Politikberatung sowohl auf der Ebene einzelner Bundesländer wie auch auf der Ebene der Bundesrepublik.

Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören Medienökonomie, Technik-Folgenabschätzung und Krisenanalysen aus wirtschaftlicher, sozialer und rechtlicher Sicht.

Eine neue Aufgabe

Von Anfang 1993 bis Ende 1999 war er beurlaubt, um das Europäische Medieninstitut in Düsseldorf als dessen Generaldirektor zu leiten. Das Institut hatte Mitarbeiter aus 12 verschiedenen Ländern. Schwerpunkte der Arbeit dort waren

  • die unabhängige Beobachtung der Medien bei Wahlen in zentral- und osteuropäischen Ländern im Auftrag der EU Kommission mit mehr als 30 umfassenden Missionen
  • die jährliche Veranstaltung eines europäischen Film- und Fernsehforums, jeweils in einem anderen europäischen Land und
  • die vergleichende Medienforschung.

Er hat zahlreiche Artikel und umfassende Publikationen zu den Forschungsschwerpunkten verfasst, sowie zu den Themen des Europäischen Medieninstituts.

Er ist Inhaber des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse seit Mai 2001.

Dr. Jutta Lange-Quassowski, seine Frau ist Diplom Politologin (Berlin) und promovierte in Göttingen zum Dr. disc. pol.

Sie leitete gut 25 Jahre die Ernst-Strassmann-Stiftung. Schwerpunkt der Arbeit war die Aufarbeitung der deutschen Vergangenheit.

Zusätzlich ist sie kontinuierlich ehrenamtlich tätig und ist intensiv in die Arbeit an Europaedia eingebunden.

Sie sind glücklich verheiratet und haben 3 Söhne und 3 Enkelkinder.

Fakten, Mythen und die Seele Europas.

Bei Europaedia geht es um die verständliche Präsentation von Fakten und das Hinterfragen von Narrativen. Wir wollen nicht nur Probleme aufzeigen, sondern auch die „Seele“ der europäischen Gemeinschaft – ihre Kultur und Werte.

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