Kohäsionspolitik erhält neuen Fokus schon durch Halbzeit-Überarbeitung

Datum

15.9.2025

Lesezeit

13 Minuten

Autor

Autorin

Prof. Dr. Bernd-Peter Lange

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Über den Autor

Über die Autorin

Prof. Dr. Bernd-Peter Lange

Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Erfolge der vergangenen Kohäsionspolitik

Im Frühjahr 2025 lag der 9. Bericht über diese europäische sozialpolitische Unterstützungspolitik speziell für neu aufgenommene Regionen bzw. Staaten vor. Und er kommt zu enorm positiven Bewertungen dieser Politik.  Sie zielte auf Angleichung der Lebensverhältnisse zwischen noch wenig entwickelten Gebieten – vornehmlich in Osteuropa und den schon länger in der EU zusammen geschlossenen Staaten des Westens.  Vor zwanzig Jahren wurden acht europäische Staaten in die EU aufgenommen und in folgenden Jahren nochmal drei Staaten.

In den seit 2004 beigetretenen Mitgliedstaaten stieg das Pro-Kopf-BIP von 52 % auf fast 80 % des EU-Durchschnitts im Jahr 2002 an, während die Arbeitslosigkeit von 13 % auf 4 % sank. Das Gefälle zum Rest der EU hat sich somit halbiert. Dennoch kommt der Bericht nicht nur zu dem Schluss: Die Kohäsionspolitik ist wichtiger denn je. Sondern in Anbetracht der Tatsache, dass erneut an die zehn Staaten im Osten auf Aufnahme in die EU hoffen, bilanziert der Bericht: „Neuankömmlinge werden ärmer sein, was wiederum die Ungleichheiten innerhalb der EU verstärkt. Sie werden nicht nur Bedürfnisse, sondern auch Erwartungen haben, denen die EU gerecht werden muss, während sie sich gleichzeitig den Herausforderungen in den derzeitigen Mitgliedstaaten stellen muss. Die Kohäsionspolitik wird also einen Kampf an zwei Fronten führen“ müssen.

Kommission aber will Fokus der Förderung verändern

Der russische Eroberungs-Krieg in der Ukraine seit Februar 2022, also seit nunmehr mehr als dreieinhalb Jahren hat die Überzeugung in den allermeisten europäischen Staaten verstärkt, dass Russland schon bald weitere NATO-Staaten in Europa angreifen wird. Das imperialistische Ziel, die alten Grenzen der Sowjetunion zurück zu erobern, wird immer deutlicher von russischen Politikern artikuliert. Und die NATO wird bereits in Bezug auf ihre Entschlossenheit, ihr Gebiet zu verteidigen, getestet. Über Polen und Rumänien sind inzwischen  bereits Drohnen aus Russland zum Einsatz gekommen.

Angesichts dieser Gefahr will die Kommission z.B. Aktivitäten, die mit unserer Verteidigungsfähigkeit der EU verbunden sind, in die Förderfähigkeit einbeziehen. Gleiches soll für die militärische Mobilität und die Sicherheit der Staaten gelten. Klimaschutz spielt dabei dann eine untergeordnete Rolle. Außerdem sollen in Zukunft auch große Unternehmen förderfähig werden. Das stellt einen erheblichen Wechsel innerhalb der Kohäsionspolitik dar. Von den Abgeordneten der Grünen wird das massiv kritisiert, (MM #45 | Kohäsionspolitik stärken statt abwickeln! )

Andererseits hat die Kommission die grüne Forderung nach der Förderung von bezahlbarem Wohnraum, der Förderung von Städten, sowie von Dekarbonisierung und der Unterstützung von östlichen Grenzregionen in die Kohäsionspolitik aufgenommen.

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Über die Autoren

Prof. Dr. Bernd-Peter Lange

Dr. Jutta Lange-Quassowski

Der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler Bernd-Peter Lange studierte Rechts- und Staatswissenschaften in Bonn, wo er die 1. jur. Staatsprüfung 1963 ablegte. 1966 erwarb er den Diplom Volkswirt und wurde 1967 zum Dr. jur. promoviert.

Nach seiner Mitarbeit am Institut für Konzentrationsforschung an der Freien Universität Berlin hat er 1972 eine umfassende Analyse der Antitrust-Politik in de n USA veröffentlicht.

Zunächst war er drei Jahre als Assistenzprofessor am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der FU Berlin tätig. Von 1974 bis zu seiner Emeritierung 2004 hatte er einen Lehrstuhl für Wirtschaftstheorie an der Universität Osnabrück. Neben der Lehrtätigkeit war er stark in der akademischen Selbstverwaltungengagiert. Gleichzeitig war er Mitglied in zahlreichen Kommissionen der wissenschaftlichen Politikberatung sowohl auf der Ebene einzelner Bundesländer wie auch auf der Ebene der Bundesrepublik.

Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören Medienökonomie, Technik-Folgenabschätzung und Krisenanalysen aus wirtschaftlicher, sozialer und rechtlicher Sicht.

Eine neue Aufgabe

Von Anfang 1993 bis Ende 1999 war er beurlaubt, um das Europäische Medieninstitut in Düsseldorf als dessen Generaldirektor zu leiten. Das Institut hatte Mitarbeiter aus 12 verschiedenen Ländern. Schwerpunkte der Arbeit dort waren

  • die unabhängige Beobachtung der Medien bei Wahlen in zentral- und osteuropäischen Ländern im Auftrag der EU Kommission mit mehr als 30 umfassenden Missionen
  • die jährliche Veranstaltung eines europäischen Film- und Fernsehforums, jeweils in einem anderen europäischen Land und
  • die vergleichende Medienforschung.

Er hat zahlreiche Artikel und umfassende Publikationen zu den Forschungsschwerpunkten verfasst, sowie zu den Themen des Europäischen Medieninstituts.

Er ist Inhaber des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse seit Mai 2001.

Dr. Jutta Lange-Quassowski, seine Frau ist Diplom Politologin (Berlin) und promovierte in Göttingen zum Dr. disc. pol.

Sie leitete gut 25 Jahre die Ernst-Strassmann-Stiftung. Schwerpunkt der Arbeit war die Aufarbeitung der deutschen Vergangenheit.

Zusätzlich ist sie kontinuierlich ehrenamtlich tätig und ist intensiv in die Arbeit an Europaedia eingebunden.

Sie sind glücklich verheiratet und haben 3 Söhne und 3 Enkelkinder.

Fakten, Mythen und die Seele Europas.

Bei Europaedia geht es um die verständliche Präsentation von Fakten und das Hinterfragen von Narrativen. Wir wollen nicht nur Probleme aufzeigen, sondern auch die „Seele“ der europäischen Gemeinschaft – ihre Kultur und Werte.

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