Fossile Erdölwirtschaft, Beginn vom Ende? Mai 2021; Dez. 2023: Eher nicht

Datum

28.5.2025

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5 Minuten

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Prof. Dr. Bernd-Peter Lange

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

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Über die Autorin

Prof. Dr. Bernd-Peter Lange

Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer, sagt man. Aber drei? Gestern jedenfalls traf es gleich drei große Erdölfirmen an ein und demselben Tag: Royal Dutch Shell und ihre 11.000 Tochterfirmen in 140 Ländern, sowie Chevron und Exxon also Esso. Was passierte?

Gerichtsurteil gegen Shell

Die erste gute und vielleicht auch die weitreichendste Botschaft kommt aus Den Haag. Ein niederländisches Gericht hat Shell per Urteil verpflichtet, den gesamten CO²-Ausstoß des Konzerns bis 2030 um 45% zu senken  gegenüber 2019! Das gilt sowohl für die Zulieferer wie auch die Endabnehmer. Das ist ein gewaltiger Eingriff in das Verhalten des Konzerns – international erstmals. Allerdings war der Konzern bereits im Februar zu Schadensersatzzahlungen in Nigeria verurteilt worden. Er hatte zunächst das Nigerdelta verschmutzt (und danach die giftigen Abwasser direkt ins Meer geleitet, wofür er noch nicht verurteilt worden ist). Dennoch: dieses und das Verfahren, das gestern zum Abschluss kam, „gelten als wegweisend für die Haftung und Verantwortlichkeit großer Konzerne.“ (BR ). Die CO²-Daten sind in den Quartals- und Jahresberichten zu veröffentlichen.

Shell berichtet erstmals im Frühjahr 2024 über seine Anstrengungen zur Reduzierung seiner Emissionen.

Sieg  gegen das Chevron Management

Der zweite Schlag traf Chevron. Auf der  Aktionärsversammlung stimmten 61 % dafür,  die CO²-Emissionen radikal zu reduzieren. Der Aktivist, Mark van Baal, der mit seiner holländischen Kampagnengruppe „Follow this“ dafür gekämpft hatte, den Konzern damit zu konfrontieren. Er nannte das Votum einen Paradigmenwechsel und einen Sieg im Kampf gegen den Klimawandel. (The Guardian Weekly, News)

Seither war nichts wieder von Chevron zu hören. Erst im Frühjahr 2024 ist zu lesen, dass Chevron nun in die CO²-Speicherung investieren will. Das geht allerdings in keiner Weise in die CO²- Reduktion oder gar Vermeidung, ist also keine nachhaltige Anstrengung. Gedacht ist es nur für die Bereiche, die industriell weiter gebraucht werden, in denen sich die Reduktion aber nicht bewerkstelligen lässt.

Abwahl von zwei „fossilen“ Direktoren

Und es traf die Direktoren von EXXON Mobil in den USA. Denn  die Manager weigerten sich beharrlich, „den Klimawandel ernst zu nehmen“ und ihre Unternehmensstrategie zu ändern. Im letzten Jahr hatte sich ein sehr kleiner  Hedgefonds gebildet, Engine No. 1. (Im Gegensatz zu großen Investmentfonds sind das Fonds, deren „Geschäftszweck in alternativen Investments besteht“. Aggressiv auftretend gehen sie höhere Risiken ein). Zwar halten die Neuen nur 0,02 % der Aktien anstelle des größten Aktionärs Black Rock mit 6,7 % Anteil. Aber sie konnten die Mehrheit überzeugen, zumindest zwei Direktoren von EXXON auszutauschen. Das Ziel: die Herausforderung durch die Klimakrise „in einen langfristigen Business Plan“ zu verwandeln. Der Verweis darauf, dass andere  Öl-Giganten bereits ihre Standbeine in erneuerbaren Energien ausbauen, half. So waren die Asset Manager von Black Rock und den Investment-Konzernen (Vanguard und State Street Global Advisors)  für einen Einstieg in den Wandel zu gewinnen.

Mai 2024: Exxon Mobil bleibt bei seinem klimaschädlichen Kurs

Es ist der größte amerikanische Ölkonzern. Eine überwältigende Mehrheit von 98% der Aktionäre bestätigte auf der jährlichen Konferenz den alten Kurs. Das Management hatte gegen das Vorgehen der Aktivisten geklagt. Es erhielt insgesamt Rückendeckung für seine harte Linie.

Ein Anfang für ein breiteres Umdenken?

Interessanterweise konnte festgestellt werden, dass Begriffe, die zunächst nur von Klimaaktivisten benutzt wurden, in der Investoren – Gemeinschaft mehr und mehr zum allgemeinen Wortschatz werden. (The Guardian, s.o. und npr und MSNBC, Rachel Maddow).Aber werden sie damit auch zu Zielen? Oder geht es eher um Greenwashing?

Ergänzungen vom Nov. 2022

Grüne Geldanlagen beim weltgrößten Vermögensverwalter BlackRock. Wer nun denkt: es geht, selbst die sind auf dem richtigen Weg, muss mit Erschütterung zur Kenntnis nehmen: „Vor zwei Wochen hat Missouri (ein großer US-amerikanischer Staat, der seit 2005 von Republikanern regiert wird, Anm. von der Verf.)) eine halbe Milliarde Dollar bei BlackRock….a b g e z o g e n – aus Protest gegen dessen grüne Geldanlagen.“ Bei mehr als 8 Billionen Dollar Anlagevolumen vermutlich verkraftbar. Aber auch andere republikanisch regierte US-Staaten wollen keine Geschäfte mehr mit BlackRock machen. Der Konzern ist auch in grüne Investments eingestiegen.  Seine Philosophie dabei: „Wir fokussieren uns nicht auf Nachhaltigkeit, weil wir Ökologen sind. Wir tun es, weil wir Kapitalisten sind“.

Zwischen-„Spiel“ schon wieder beendet

„Anfang Dezember 2023 verkündete Larry Fink, der CEO der weltgrößten privaten Investmentgesellschaft BlackRock, sein Unternehmen werde in Kryptowährungen einsteigen. Dadurch wurde das Interesse an der schwächelnden und extrem von fossilen Brennstoffen abhängigen Krypto-Branche kurzzeitig wieder angefacht.“ In dem Artikel wird nach diesem Einstieg nachgewiesen, dass BlackRock keineswegs weiter in grüne Geldanlagen investiert hat, sondern, dass die Ankündigung lediglich Greenwashing und eine PR-Aktion gewesen sei. Man habe damit jedoch ein sehr positives Medienecho ausgelöst.

Einige Jahre war Larry Fink, Chef von BlackRock mit derzeit über zehn Billionen Dollar Anlagekapital,  angeblich sogar der Treiber nachhaltiger Investitionen. Jetzt, Jan. 2025 – besteht ein Zusammenhang mit Trumps Präsidentschaft? – steige er jedoch aus dem Klimapakt der Branche aus. Diejenigen, die „grün investieren“ wollen, lässt er verlauten, würde er allerdings weiter bedienen.

Inzwischen bezweifeln einige Analysten ohnehin, dass Investitionen in nachhaltigere Anlagen profitabel seien. Das mag allerdings durch die Energieknappheit beeinflusst sein, die durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine hervorgerufen worden ist. Aber wenn sie in der „Welt“ publizieren, mögen dahinter sogar bestimmte Kapitalinteressen stehen.

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Über die Autoren

Prof. Dr. Bernd-Peter Lange

Dr. Jutta Lange-Quassowski

Der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler Bernd-Peter Lange studierte Rechts- und Staatswissenschaften in Bonn, wo er die 1. jur. Staatsprüfung 1963 ablegte. 1966 erwarb er den Diplom Volkswirt und wurde 1967 zum Dr. jur. promoviert.

Nach seiner Mitarbeit am Institut für Konzentrationsforschung an der Freien Universität Berlin hat er 1972 eine umfassende Analyse der Antitrust-Politik in de n USA veröffentlicht.

Zunächst war er drei Jahre als Assistenzprofessor am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der FU Berlin tätig. Von 1974 bis zu seiner Emeritierung 2004 hatte er einen Lehrstuhl für Wirtschaftstheorie an der Universität Osnabrück. Neben der Lehrtätigkeit war er stark in der akademischen Selbstverwaltungengagiert. Gleichzeitig war er Mitglied in zahlreichen Kommissionen der wissenschaftlichen Politikberatung sowohl auf der Ebene einzelner Bundesländer wie auch auf der Ebene der Bundesrepublik.

Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören Medienökonomie, Technik-Folgenabschätzung und Krisenanalysen aus wirtschaftlicher, sozialer und rechtlicher Sicht.

Eine neue Aufgabe

Von Anfang 1993 bis Ende 1999 war er beurlaubt, um das Europäische Medieninstitut in Düsseldorf als dessen Generaldirektor zu leiten. Das Institut hatte Mitarbeiter aus 12 verschiedenen Ländern. Schwerpunkte der Arbeit dort waren

  • die unabhängige Beobachtung der Medien bei Wahlen in zentral- und osteuropäischen Ländern im Auftrag der EU Kommission mit mehr als 30 umfassenden Missionen
  • die jährliche Veranstaltung eines europäischen Film- und Fernsehforums, jeweils in einem anderen europäischen Land und
  • die vergleichende Medienforschung.

Er hat zahlreiche Artikel und umfassende Publikationen zu den Forschungsschwerpunkten verfasst, sowie zu den Themen des Europäischen Medieninstituts.

Er ist Inhaber des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse seit Mai 2001.

Dr. Jutta Lange-Quassowski, seine Frau ist Diplom Politologin (Berlin) und promovierte in Göttingen zum Dr. disc. pol.

Sie leitete gut 25 Jahre die Ernst-Strassmann-Stiftung. Schwerpunkt der Arbeit war die Aufarbeitung der deutschen Vergangenheit.

Zusätzlich ist sie kontinuierlich ehrenamtlich tätig und ist intensiv in die Arbeit an Europaedia eingebunden.

Sie sind glücklich verheiratet und haben 3 Söhne und 3 Enkelkinder.

Fakten, Mythen und die Seele Europas.

Bei Europaedia geht es um die verständliche Präsentation von Fakten und das Hinterfragen von Narrativen. Wir wollen nicht nur Probleme aufzeigen, sondern auch die „Seele“ der europäischen Gemeinschaft – ihre Kultur und Werte.

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