Die Vor-Geschichte
Der Gedenk-Tag findet jährlich statt und zwar am 27. Januar. Das ist der Tag, an dem die Rote Armee der UDSSR im 2. Weltkrieg 1945 nach Auschwitz vorstieß. Sie beendeten damit die SS-Herrschaft über eins der größten Vernichtungs-Lager des damaligen Deutschen Reichs.
In dem Lager kamen bis dahin täglich Züge an mit deportierten Juden, Jüdinnen und deren Kindern aus allen Ländern, die in Europa von deutschen Soldaten besetzt waren. Zusammengepfercht in Viehwagons ohne sanitäre Anlagen kamen sie nach tagelanger Fahrt dort an. An der Rampe wurden die Menschen nach Geschlecht und Alter getrennt. Frauen und Kinder wurden ab 1942 sofort auf den Weg in die Gaskammern geschickt. Männer mussten erst noch mehrere Monate oder sogar Jahre arbeiten, bevor die Aufseher auch sie vergaßt haben.
In West-Deutschland begann in den achtziger Jahren, also ungefähr 35 Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges, die wissenschaftliche Aufarbeitung der zwölfjährigen Nazi-Diktatur. Obwohl Hitler-Deutschland den Krieg entfacht hatte, waren viele der Verbrechen bis dahin in Deutschland nur wenig bzw. wenigen Menschen bekannt.
Entstehung des „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“
Erst Bundespräsident Roman Herzog, ein Politiker der CDU sprach von offizieller Seite über die dunkelste Seite der deutschen Geschichte. Er sagte: „Auschwitz steht symbolhaft für millionenfachen Mord – vor allem an Juden, aber auch an anderen Volksgruppen. Es steht für Brutalität und Unmenschlichkeit, für Verfolgung und Unterdrückung, für die in perverser Perfektion organisierte „Vernichtung“ von Menschen.“
Und er erklärte 1996 in seiner Rede: es gehe nun darum, „aus der Erinnerung immer wieder lebendige Zukunft werden zu lassen. Wir wollen nicht unser Entsetzen konservieren. Wir wollen Lehren ziehen, die auch künftigen Generationen Orientierung sind.“ Zwar wiederhole Geschichte sich nicht. Aber es sei doch wahr, „daß Geschichte die Voraussetzung der Gegenwart ist und daß der Umgang mit der Geschichte damit auch zum Fundament der Zukunft wird.“
Und so schlug der 7. Bundespräsident dem Deutschen Bundestag 1996 vor: Erklären wir, den 27. Januar, den Tag der Befreiung des Lagers „zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus„. „Das Allerwichtigste ist es, den Jungen den Blick dafür zu schärfen, woran man Rassismus und Totalitarismus in den Anfängen erkennt. Denn im Kampf gegen diese Grundübel des 20. Jahrhunderts kommt es vor allem anderen auf rechtzeitige Gegenwehr an.“ Alle Parteien des damaligen Bundestages haben dem Vorschlag zugestimmt.
Und in der Tat: sofort seit 1996 haben viele Schulen den Gedenktag sehr ernst genommen. Es gibt Lehrpläne dazu für die 5., 6., 7. und 8. Klasse. Aber auch im Deutschen Bundestag findet das Gedenken alljährlich einen würdigen Ausdruck. 2026 sind es 30 Jahre seit der Einführung des Gedenktages.
Der „Internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust“
Die Vereinten Nationen haben den Internationalen Gedenktag am 60. Jahrestag vom 27.1.1945, am 27. Januar 2005 eingeführt. Er wird nun meist als Holocaust Gedenktag bezeichnet.
Dieser wird auch in diesem Jahr in Brüssel in einer Sondersitzung am 27.1.2026 begangen. Die Präsidentin des EU-Parlaments, Roberta Metsola warnt vor der Verstärkung des Antisemitismus, besonders vor dem in den sog. sozialen Medien. Das Europäische Parlament betont 2026 außerdem „mit Ausstellungen, Gedenkzeremonien, Filmvorführungen und musikalischen Darbietungen die europäische Verantwortung für Menschenrechte und die Rolle des Parlaments beim Schutz der Erinnerungskultur.“ Der Film z.B. wird an Hand eines Sechsjährigen, der aus Rom nach Auschwitz deportiert wurde, erzählt. Denn später kam er für medizinische Experimente nach Hamburg. Der Film ruft dann die Geschichte der am Ende ermordeten „Kinder vom Bullenhuser Damm“ in Erinnerung.
Im Übrigen hängt im EU-Parlament an zentraler Stelle seit 2023 eine Reproduktion des Gemäldes „Refugee“ von Felix Nussbaum. Nussbaum ist ein deutsch-jüdischer Maler aus Osnabrück, der früh vor den Nazis nach Brüssel geflohen war. Von dort wurde er später nach Auschwitz deportiert und ermordet. Nach den Plänen von Daniel Libeskind steht in Osnabrück ein kongeniales Museum mit seinen Werken.


