Europäische Union: Was aus ihr würde, wenn die extrem Rechten eine Mehrheit hätten

Datum

28.11.2025

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4 Minuten

Autor

Autorin

Prof. Dr. Bernd-Peter Lange

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Über den Autor

Über die Autorin

Prof. Dr. Bernd-Peter Lange

Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Woher das Thema plötzlich kommt

Der polnische Präsident, der der national-konservativen PIS-Partei angehört, hat jetzt einen Vorstoß unternommen.                                    Ohne jede Autorisierung der Regierung hat er im Ausland einen Plan zur Veränderung der EU vorgelegt. Natürlich befand er sich in einem Staat, in dem gerade eine europakritische politische Richtung die Macht erobert hat: in Tschechien.

Der polnische Außenminister, R. Sikorski hat sofort klargestellt: Die polnische Regierung hat den Präsidenten „nicht dazu ermächtigt, Vorschläge zur Änderung der EU-Verträge zu unterbreiten“.

Erste konkrete Veränderungsvorschläge

So sehen die Vorschläge des polnischen Präsidenten aus: Das Amt des Präsidenten des Europäischen Rates soll abgeschafft werden. Ebenso will er eine Beschneidung der Befugnisse des Hohen Vertreters, also des Amtsträgers, der die EU nach Außen vertritt. Und schließlich will er eine Reform der Abstimmungsregeln im Rat.

Angeblich sollen diese Regeln die „übermäßigen Vorteile großer Mitgliedstaaten“ begrenzen.

Aber die vorgelegten Vorschläge würden gerade daran nichts ändern. Sie sind stattdessen der erste – laut gewordene – Versuch, Europas Einfluss und Macht zu dezimieren. Die Europaskeptiker wollen die  Nationalstaaten dadurch stärken und unabhängiger machen.

In welchen Zusammenhängen solche Vorschläge relevant werden könnten

    1. Eine Verschiebung der politischen Mehrheiten

Im Osten der EU ist inzwischen nicht nur Ungarn mit Viktor Orban ein Land, das die von der EU geforderte Rechtsstaatlichkeit nicht anerkennt. Im Gegenteil, es verstößt in vielen Bereichen dagegen. Auch die Slowakei hat sich unter Robert Fico von Regeln der EU stark entfernt. Das Land verfolgt einen zunehmend nationalistischen Kurs. Und nun schwenkt auch Tschechien mehr und mehr auf diesen Pfad ein. Aber auch in anderen Staaten des Ostens wie auch sonst in der Europäische Union ist deren Zukunft keineswegs gesichert. Die liberal-demokratisch geprägte, westlich orientierte Politik ist vielfach in Bedrängnis. In Italien verfolgt Georgia Meloni, Vorsitzende einer als  post-faschistisch geltenden Partei, schon jetzt innenpolitisch einen Kurs des Rückbaus liberaler Freiheitsrechte. In Frankreich ist Marine Le Pen die Ikone des rechts-populistischen Lagers. Sie ist nicht sehr weit von einer möglichen Machtübernahme ihrer Partei entfernt. Sogar in Deutschland könnte schon 2026 erstmals in einem Bundesland die rechtsradikal dominierte AFD bei Wahlen eine Mehrheit erringen.

     2. Andere Abstimmungsgepflogenheiten im EU-Parlament

Im Jahr 2025 ist bereits zweimal eingetreten, was noch vor einem Jahr undenkbar schien. Die konservative EVP im Europa-Parlament hat nicht mit der sog. v. d. Leyen-Koalition abgestimmt. Das wären die S&D-Sozialdemokraten und die Renew-Liberalen und ggfs. auch die EFA-Grünen. Diese Parteien wollten einen weitgehenden Rückbau der in der vorigen Periode beschlossenen Green Deal Gesetze nicht mittragen. Denn mit sog. Omnibus-Gesetzen will die EVP Gesetze zur Nachhaltigkeit sowie zum Wald-Schutz-Gesetz entschärfen. Die EVP hat daraufhin nicht nur zusammen mit der rechts-konservativen EKR gestimmt, um ihre Vorstellungen durchzusetzen. Sondern sie hat bewusst auch zusammen mit den rechts-außen stehenden europa-kritischen „Patrioten“ verhandelt und gestimmt.                                                                Und dass, obwohl diese beiden Partei-Gruppen weitere starke Verschärfungen am Lieferketten-Gesetz durchgesetzt haben.

     3. Postengeschiebe

Derzeit wird spekuliert, ob die EU-Parlamentspräsidentin Roberta Metsola aus Malta, der rechts-außen Partei der Patrioten in einem Deal entgegen kommen könnte.                                                                                                                                                                                                            Es gibt offenbar Hinweise, dass Metsola Interesse daran haben könnte, 2027 für eine dritte Amtszeit anzutreten. Das hat es wohl noch nie gegeben.  Jedenfalls war eine informelle Regel, -etwa seit den neunziger Jahren- dass die jeweilige Amtszeit nach der Hälfte der Periode – also nach zweieinhalb Jahren – endet. Als die Wahlperiode 2024 beendet war, hatte die EVP eine so hohe Mehrheit der Stimmen errungen, dass sie offenbar der Meinung war, sie könne die Regeln abändern. Jedenfalls wurde R. Metsola erneut gewählt – mit überwältigender Mehrheit. Denn nur die Linke hatte eine Gegenkandidatin aufgestellt.

Die kürzlich bekannt gewordenen Ambitionen von Metsola haben nun die „Patrioten“ dazu bewogen, ihr zu signalisieren, dass sie sie dabei unterstützen würden. Dort ist z.B. auch die deutsche AFD organisiert. Allerdings hätte eine Unterstützung  „natürlich“ einen Preis, z.B. den eines Postens im Präsidium, am besten den eines Vizepräsidenten im EU-Parlament. Damit hätte die extreme Rechte Europas einen Fuß in der Tür. Hinter vorgehaltener Hand leugnet sie nicht, dass sie die Europäische Union, also die EU gerne abschaffen möchte.

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Über die Autoren

Prof. Dr. Bernd-Peter Lange

Dr. Jutta Lange-Quassowski

Der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler Bernd-Peter Lange studierte Rechts- und Staatswissenschaften in Bonn, wo er die 1. jur. Staatsprüfung 1963 ablegte. 1966 erwarb er den Diplom Volkswirt und wurde 1967 zum Dr. jur. promoviert.

Nach seiner Mitarbeit am Institut für Konzentrationsforschung an der Freien Universität Berlin hat er 1972 eine umfassende Analyse der Antitrust-Politik in de n USA veröffentlicht.

Zunächst war er drei Jahre als Assistenzprofessor am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der FU Berlin tätig. Von 1974 bis zu seiner Emeritierung 2004 hatte er einen Lehrstuhl für Wirtschaftstheorie an der Universität Osnabrück. Neben der Lehrtätigkeit war er stark in der akademischen Selbstverwaltungengagiert. Gleichzeitig war er Mitglied in zahlreichen Kommissionen der wissenschaftlichen Politikberatung sowohl auf der Ebene einzelner Bundesländer wie auch auf der Ebene der Bundesrepublik.

Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören Medienökonomie, Technik-Folgenabschätzung und Krisenanalysen aus wirtschaftlicher, sozialer und rechtlicher Sicht.

Eine neue Aufgabe

Von Anfang 1993 bis Ende 1999 war er beurlaubt, um das Europäische Medieninstitut in Düsseldorf als dessen Generaldirektor zu leiten. Das Institut hatte Mitarbeiter aus 12 verschiedenen Ländern. Schwerpunkte der Arbeit dort waren

  • die unabhängige Beobachtung der Medien bei Wahlen in zentral- und osteuropäischen Ländern im Auftrag der EU Kommission mit mehr als 30 umfassenden Missionen
  • die jährliche Veranstaltung eines europäischen Film- und Fernsehforums, jeweils in einem anderen europäischen Land und
  • die vergleichende Medienforschung.

Er hat zahlreiche Artikel und umfassende Publikationen zu den Forschungsschwerpunkten verfasst, sowie zu den Themen des Europäischen Medieninstituts.

Er ist Inhaber des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse seit Mai 2001.

Dr. Jutta Lange-Quassowski, seine Frau ist Diplom Politologin (Berlin) und promovierte in Göttingen zum Dr. disc. pol.

Sie leitete gut 25 Jahre die Ernst-Strassmann-Stiftung. Schwerpunkt der Arbeit war die Aufarbeitung der deutschen Vergangenheit.

Zusätzlich ist sie kontinuierlich ehrenamtlich tätig und ist intensiv in die Arbeit an Europaedia eingebunden.

Sie sind glücklich verheiratet und haben 3 Söhne und 3 Enkelkinder.

Fakten, Mythen und die Seele Europas.

Bei Europaedia geht es um die verständliche Präsentation von Fakten und das Hinterfragen von Narrativen. Wir wollen nicht nur Probleme aufzeigen, sondern auch die „Seele“ der europäischen Gemeinschaft – ihre Kultur und Werte.

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