ECGT Anti-Greenwashing-Richtlinie der EU gekippt?

Datum

22.11.2025

Lesezeit

3 Minuten

Autor

Autorin

Prof. Dr. Bernd-Peter Lange

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Über den Autor

Über die Autorin

Prof. Dr. Bernd-Peter Lange

Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Wettbewerbsrichtlinie der EU über

Umweltaussagen zur Stärkung der Verbraucher für den ökologischen Wandel

Englisch: Empowering consumers for the green transition, auch als ECGT oder EmpCo abgekürzt (EU) 2024/825).

Die EU ist erneut tätig geworden, um den Gebrauch umweltrelevant wertender Reklame wettbewerbsmäßig zu regeln. Im März 2024 hat sie  die Nutzung solcher Begriffe wettbewerbsrelevant durch eine Richtlinie geregelt. Mit anderen Worten: innerhalb von zwei Jahren, also bis Mai 2026 müssen die Staaten, die Richtlinie in ihr einzelstaatliches Recht umsetzen. Die Richtlinie, die  Green Claims Directive soll einen besseren Schutz gegen unlautere Werbe-Aussagen bieten. Bessere Informationen sollen die Verbraucher ertüchtigen und ihnen ihre Kaufentscheidungen erleichtern.

Diese Richtlinie hatte bereits Vorgänger, die die Staaten nun erweitern sollen um die umweltschutzrechtlichen Tatbestände. Die Änderungen sehen strengere Vorgaben für die Darstellung verlässlicher, vergleichbarer, begründeter und nachprüfbarer Informationen zu den Umwelteigenschaften von Produkten und Unternehmen vor. Das soll künftig unlauteren Wettbewerb verhindern.

Denn aufgrund verstärkter Umweltdiskussionen seit Beginn der zwanziger Jahre hat die Industrie viele positive Umweltbegriffe in ihre Werbung integriert. So lesen die Verbraucher von nachhaltig oder klimaneutral oder öko oder recycelbar. Aber für die Benutzung solcher Labels gibt es keine gesetzgeberische Voraussetzung. Und die Kunden wissen nicht, worauf sie sich verlassen können. Meist handelt es sich nur um Reklame ohne Begründung, also um sog. Greenwashing.

Neue Mehrheitsverhältnisse und die Begehrlichkeiten

Die Direktive bzw. Richtlinie ist Teil des Green Deal. Und bekanntermaßen hat das 2024 neu gewählte EU-Parlament inzwischen eine Strategie zur Vereinfachung und Beschleunigung vieler Gesetze unter der Überschrift Bürokratie-Abbau in Gang gesetzt. Und nun hat die Mehrheitspartei, die Europäische Volkspartei mit Manfred Weber (EVP) an der Spitze es auch auf diese Richtlinie abgesehen. Sie fordert die Kommission auf, die Richtlinie fallen zu lassen. Am 20.6.2025 kann der Pressesprecher auf alle Fragen nur antworten, dass die Kommission die Richtlinie zurückgezogen habe. Entsprechend der Omnibus-Vorhaben sollen wohl auch hier alle „Kleinen“ ausgenommen werden.

Am 23.6. wird bekannt, dass Italien die Unterstützung für die Anti-Greenwashing Richtlinie zurückgezogen hat. Damit sei das Gesetz „im Wesentlichen“ gescheitert. Weitere Gesetze werden bereits von Seiten der Konservativen in den Blick genommen.

Ein Machtkampf nicht nur im Parlament

Die beiden Vorsitzenden der Sozialdemokraten und der Liberalen (Renew) haben daraufhin die Parlamentsvorsitzende in einem Brief gebeten, bei dem Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs am 26.6. 2025 vorzusprechen. Sie soll dort „die Frage des Schutzes der Rolle des Parlaments und des Rates in den interinstitutionellen Verfahren” zur Sprache bringen. Das Parlament wehrt sich zunehmend gegen die immer stärkere Macht-Konzentration bei der Kommissionspräsidentin. In dieser Angelegenheit stellen sie konkret die Rechtmäßigkeit der beabsichtigten Rücknahme ohne Einbeziehung des Parlaments in Frage.

Der Rat jedoch sagt die Trilog-Verhandlungen zu der Richtlinie kurzfristig ab. (Newsletter von A. Cavazzini, 4.7.25) Trotz all der stattgefundenen Kompromisse soll nun aufgrund der neuen Mehrheiten auch hier so viel wie möglich rückgängig gemacht werden.

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Über die Autoren

Prof. Dr. Bernd-Peter Lange

Dr. Jutta Lange-Quassowski

Der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler Bernd-Peter Lange studierte Rechts- und Staatswissenschaften in Bonn, wo er die 1. jur. Staatsprüfung 1963 ablegte. 1966 erwarb er den Diplom Volkswirt und wurde 1967 zum Dr. jur. promoviert.

Nach seiner Mitarbeit am Institut für Konzentrationsforschung an der Freien Universität Berlin hat er 1972 eine umfassende Analyse der Antitrust-Politik in de n USA veröffentlicht.

Zunächst war er drei Jahre als Assistenzprofessor am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der FU Berlin tätig. Von 1974 bis zu seiner Emeritierung 2004 hatte er einen Lehrstuhl für Wirtschaftstheorie an der Universität Osnabrück. Neben der Lehrtätigkeit war er stark in der akademischen Selbstverwaltungengagiert. Gleichzeitig war er Mitglied in zahlreichen Kommissionen der wissenschaftlichen Politikberatung sowohl auf der Ebene einzelner Bundesländer wie auch auf der Ebene der Bundesrepublik.

Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören Medienökonomie, Technik-Folgenabschätzung und Krisenanalysen aus wirtschaftlicher, sozialer und rechtlicher Sicht.

Eine neue Aufgabe

Von Anfang 1993 bis Ende 1999 war er beurlaubt, um das Europäische Medieninstitut in Düsseldorf als dessen Generaldirektor zu leiten. Das Institut hatte Mitarbeiter aus 12 verschiedenen Ländern. Schwerpunkte der Arbeit dort waren

  • die unabhängige Beobachtung der Medien bei Wahlen in zentral- und osteuropäischen Ländern im Auftrag der EU Kommission mit mehr als 30 umfassenden Missionen
  • die jährliche Veranstaltung eines europäischen Film- und Fernsehforums, jeweils in einem anderen europäischen Land und
  • die vergleichende Medienforschung.

Er hat zahlreiche Artikel und umfassende Publikationen zu den Forschungsschwerpunkten verfasst, sowie zu den Themen des Europäischen Medieninstituts.

Er ist Inhaber des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse seit Mai 2001.

Dr. Jutta Lange-Quassowski, seine Frau ist Diplom Politologin (Berlin) und promovierte in Göttingen zum Dr. disc. pol.

Sie leitete gut 25 Jahre die Ernst-Strassmann-Stiftung. Schwerpunkt der Arbeit war die Aufarbeitung der deutschen Vergangenheit.

Zusätzlich ist sie kontinuierlich ehrenamtlich tätig und ist intensiv in die Arbeit an Europaedia eingebunden.

Sie sind glücklich verheiratet und haben 3 Söhne und 3 Enkelkinder.

Fakten, Mythen und die Seele Europas.

Bei Europaedia geht es um die verständliche Präsentation von Fakten und das Hinterfragen von Narrativen. Wir wollen nicht nur Probleme aufzeigen, sondern auch die „Seele“ der europäischen Gemeinschaft – ihre Kultur und Werte.

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