Der Ozean, die Klimaanlage der Welt, ist in Aufruhr, Sept. 2023

Datum

27.5.2025

Lesezeit

4 Minuten

Autor

Autorin

Prof. Dr. Bernd-Peter Lange

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Über den Autor

Über die Autorin

Prof. Dr. Bernd-Peter Lange

Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Die Wetter- und Ozeanografie-Behörde der USA warnt

Für den August 2023 hat die Behörde berechnet: 48% der Weltmeere sind von Hitzewellen betroffen. Allerdings erreicht der August mit 21.1 Grad Oberflächentemperatur nicht nur den höchsten Wert seit den Aufzeichnungen, sondern Temperaturen von 21 Grad – und bei uns im Sommer mehr – haben die Meere seit bereits März, also sechs Monate in Folge. Gleichzeitig ist der eisbedeckte Teil der Meeresoberflächen geringer denn je. In einer solchen Hitzewelle kletterte die Wassertemperatur vor der Küste von Florida im August 2023 z.B. über 38°.

Auf diese Besorgnis erregenden Rekorde folgten prompt ebensolche Rekorde der Lufttemperaturen: der heißeste Juni, der heißeste Juli und der heißeste August. Das europäische Klimaforschungsprogramm Copernicus errechnete damit als weitere Anomalie „den heißesten Sommer seit Beginn der Aufzeichnungen“.

El Niño aber beginnt gerade erst

Viele beruhigen sich damit, dass das pazifische Strömungsmuster ja immer für überdurchschnittliche Erwärmung sorge. Bei diesem Phänomen, das sich alle drei bis sieben Jahre wiederholt, schwächen sich die Passatwinde über dem tropischen Pazifik ab. Wärmeres Wasser dringt dadurch über dem Pazifik nach Osten vor.  Das beeinflusst auch unser Wetter. Die hohen Temperaturen der Meere im Frühjahr gingen jedoch dem Effekt El Niño bereits voraus. Denn bei der Oberflächentemperatur der Meere gibt es zwei Gipfel, einen am Ende unseres Sommers. Der Gipfel des Frühjahrs entsteht aus dem auslaufenden Südsommer. Denn die Südhalbkugel hat viel mehr Ozeanfläche als der Norden. So analysiert der Meeresforscher Mojib Latif: „Eigentlich ist die Erwärmung in den Meeren der beste Indikator für den Klimawandel.“ Das ist plausibel. Denn die Meere sind der Hauptspeicher für die menschengemachten CO²-Emissionen. Die Meere haben bisher 90% der durch die Emissionen entstehenden Wärme aufgenommen.

Folgen der Meereserwärmung

Wärmere Ozeane bedeuten mehr Wasserdampf und mehr Energie in der Atmosphäre. Die Wahrscheinlichkeit starker Stürme steigt damit. Aber auch starke, lang anhaltende Regenfälle, die regional verharren, können eine Folge sein. Trifft die Erwärmung das relativ kleine Mittelmeer, können sich diese Folgen potenzieren. Das führte in diesem Jahr einerseits zu den enormen Regenmassen über Griechenland, Bulgarien und der Türkei mit jeweils mehreren Todesopfern und großen Verwüstungen. Weil aber das Mittelmeer so klein ist, haben es die Stürme andererseits nie weit bis zur nächsten Küste, diesmal der von Libyen. Für Ost-Libyen waren die Wassermassen eine komplette Katastrophe. Einerseits, weil die Dämme von Stauseen in den Bergen marode waren und brachen. Außerdem hatten große Abholzungen dem Wasser freie Bahn geliefert. So ergossen sich wahre Sturzfluten in Libyen über die Stadt Darna. Sie forderten Tausende von Toten.

Die Forscher der internationalen World Weather Attribution Group warnen vor einer erhöhten Gefahr von Flutkatastrophen im gesamten Mittelmeerraum. Betroffen sind aber jetzt die unterschiedlichsten Regionen der Welt: Hong Kong, Indien, Brasilien, Oman, Guatemala, Mexiko…Das zeigt ein Video, das UN Habitat veröffentlicht hat. Auch Algenblüte ist ein verstärktes Phänomen, diesmal vor der Küste Thailands. Dort hinterließ diese ein vergiftetes Mehr ohne Sauerstoff.

Weitere Folgen

Das Meer ist eine wichtige Nahrungsquelle für uns Menschen. Nicht alle Fische werden langfristig mit den höheren Temperaturen zurecht kommen. Denn der CO²-Eintrag führt auch zur Versauerung der Meere. Außerdem führt die Erwärmung zur ständig fortschreitenden Korallenbleiche, d.h. zum Absterben dieses einzigartigen Ökosystems. Das bedeutet, dass die Kinderstube sehr vieler Fische verloren geht und die kleinen Fische kein Schutzgebiet mehr zum Aufwachsen haben. Also wachsen nicht mehr genügend Fische nach, um die maritim dargebotene Ernährungssicherheit zu garantieren. Damit ist implizit auch schon das massive marine Artensterben angeschnitten. Und schließlich führt die oben bereits erwähnte großflächige Eisschmelze mittelfristig zu einem erheblichen Anstieg des Meeresspiegels. Das bedeutet, viele kleinere Inseln sowie Küstenstreifen werden in näherer Zukunft unbewohnbar werden.

Eine besonders fundamentale Anomalie zeigt die Antarktis

Aus der Satellitenperspektive wächst dem Meer um den Südkontinent herum jeden Winter ein enormer weißer Kragen aus Meereis. Im Sommer schmilzt er ab. Aber dieser Rhythmus ist inzwischen stark gestört. Der Forscher E. Doddridge von der Universität Tasmanien beschreibt einen „Zustandswechsel“ (regime shift), der wohl vor ca. 10 Jahren mit der Erwärmung der Meere begann. Das Fehlen der Eisschicht begünstigt wiederum zusätzlich die Erwärmung, da die Sonne nicht mehr reflektiert, sondern resorbiert wird.

Andere Forscher konnten mit Langzeitmessungen und Studien ab 1960 nachweisen, dass sich auch das Wasser in der Tiefsee immer weiter und schneller erwärmt. Und:  die oberen Wasserschichten bis 700 Meter nehmen danach inzwischen einen geringeren Teil der Treibhauswärme auf als früher. Mit anderen Worten: Menschengemachte Einflüsse haben die Meere verändert.

Die notwendige Konsequenz

Es ist aller höchste Zeit, die CO² Einsparungen weltweit beschleunigt zu vergrößern.

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Über die Autoren

Prof. Dr. Bernd-Peter Lange

Dr. Jutta Lange-Quassowski

Der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler Bernd-Peter Lange studierte Rechts- und Staatswissenschaften in Bonn, wo er die 1. jur. Staatsprüfung 1963 ablegte. 1966 erwarb er den Diplom Volkswirt und wurde 1967 zum Dr. jur. promoviert.

Nach seiner Mitarbeit am Institut für Konzentrationsforschung an der Freien Universität Berlin hat er 1972 eine umfassende Analyse der Antitrust-Politik in de n USA veröffentlicht.

Zunächst war er drei Jahre als Assistenzprofessor am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der FU Berlin tätig. Von 1974 bis zu seiner Emeritierung 2004 hatte er einen Lehrstuhl für Wirtschaftstheorie an der Universität Osnabrück. Neben der Lehrtätigkeit war er stark in der akademischen Selbstverwaltungengagiert. Gleichzeitig war er Mitglied in zahlreichen Kommissionen der wissenschaftlichen Politikberatung sowohl auf der Ebene einzelner Bundesländer wie auch auf der Ebene der Bundesrepublik.

Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören Medienökonomie, Technik-Folgenabschätzung und Krisenanalysen aus wirtschaftlicher, sozialer und rechtlicher Sicht.

Eine neue Aufgabe

Von Anfang 1993 bis Ende 1999 war er beurlaubt, um das Europäische Medieninstitut in Düsseldorf als dessen Generaldirektor zu leiten. Das Institut hatte Mitarbeiter aus 12 verschiedenen Ländern. Schwerpunkte der Arbeit dort waren

  • die unabhängige Beobachtung der Medien bei Wahlen in zentral- und osteuropäischen Ländern im Auftrag der EU Kommission mit mehr als 30 umfassenden Missionen
  • die jährliche Veranstaltung eines europäischen Film- und Fernsehforums, jeweils in einem anderen europäischen Land und
  • die vergleichende Medienforschung.

Er hat zahlreiche Artikel und umfassende Publikationen zu den Forschungsschwerpunkten verfasst, sowie zu den Themen des Europäischen Medieninstituts.

Er ist Inhaber des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse seit Mai 2001.

Dr. Jutta Lange-Quassowski, seine Frau ist Diplom Politologin (Berlin) und promovierte in Göttingen zum Dr. disc. pol.

Sie leitete gut 25 Jahre die Ernst-Strassmann-Stiftung. Schwerpunkt der Arbeit war die Aufarbeitung der deutschen Vergangenheit.

Zusätzlich ist sie kontinuierlich ehrenamtlich tätig und ist intensiv in die Arbeit an Europaedia eingebunden.

Sie sind glücklich verheiratet und haben 3 Söhne und 3 Enkelkinder.

Fakten, Mythen und die Seele Europas.

Bei Europaedia geht es um die verständliche Präsentation von Fakten und das Hinterfragen von Narrativen. Wir wollen nicht nur Probleme aufzeigen, sondern auch die „Seele“ der europäischen Gemeinschaft – ihre Kultur und Werte.

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