Bundespräsident bezieht Stellung und räumt Fehler ein, 13.2. und 4.4.2022

Datum

10.11.2025

Lesezeit

5 Minuten

Autor

Autorin

Prof. Dr. Bernd-Peter Lange

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Über den Autor

Über die Autorin

Prof. Dr. Bernd-Peter Lange

Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Das Recht auf Selbstbestimmung und Souveränität

Endlich ist die bleierne Decke des „deutschen Sonderweges“ zurückgestoßen worden. Damit ist die absurde Tatsachenverdrehung vom angeblichen ‚Säbelrasseln der Ukraine‘  unmissverständlich vom Tisch gefegt mit der Klarstellung :

„Wir sind inmitten der Gefahr…eines Krieges in Osteuropa. Und dafür trägt Russland die Verantwortung!“ Aufhorchen lässt auch das überfällige deutsche Bekenntnis zur Freiheit der Ukraine: „Die Menschen dort haben ein Recht auf ein Leben ohne Angst und Bedrohung, auf Selbstbestimmung und Souveränität. Kein Land der Welt hat das Recht, das zu zerstören – und wer es versucht, dem werden wir entschlossen antworten!“ Damit ruft der oberste Repräsentant Deutschlands den Schwankenden und Zweiflern in Erinnerung, was das Fundament unserer Werte ausmacht.

Die Stärke des Rechts und der Demokratie

„Unsere Gemeinschaft ist die Gemeinschaft liberaler Demokratien, die die Stärke des Rechts über das Recht des Stärkeren stellt“.

Der Bundespräsident ist es, der jetzt die Notwendigkeit 1. einer „klaren Ansage“ und 2. der „Definition des richtigen Zeitpunktes“ erkennt. Und er verknüpft die Verpflichtung auch Deutschlands (!) zur eindeutigen Positionierung Russland gegenüber mit der Erwartung  der Demokratie an die Menschen.  Das hat es in der deutschen Politik so derzeit noch nicht gegeben. Und darüber hinaus mahnt er: „Frieden…muss immer wieder erarbeitet werden, im Dialog, aber wo nötig, auch mit Klarheit, mit Abschreckung, mit Entschlossenheit. All das braucht es jetzt.“ …Und seine Analyse gipfelt in der  Aussage:

„Ich kann Präsident Putin nur warnen: unterschätzen Sie nicht die Stärke der Demokratie!“

Das Bekenntnis zu den Institutionen des Westens

In Erinnerung daran, was wir nach dem 2. Weltkrieg dem Westen zu verdanken haben, macht der Bundespräsident heute klar: „Deutschland ist Teil der NATO und der Europäischen Union. Ohne sie würden wir Deutsche nicht in Einheit und Freiheit leben. Das vergessen wir nicht. Ohne jede Zweideutigkeit bekennen wir uns zu den Verpflichtungen in diesem Bündnis.“

Appell an die Bewahrung des Friedens

Und über das einigende Band der westlichen Demokratien untereinander sagt der  deutsche Bundespräsident: „Wir suchen nicht die Konfrontation nach außen…Wir wollen friedliche Nachbarschaft in gegenseitigem Respekt.“ Dementsprechend beschließt er seine Ausführungen zu diesem Komplex mit der Erinnerung an die gemeinsame Unterzeichnung der Schlussakte von Helsinki vor 50 Jahren. Jene habe über diese Zeit den Frieden in Europa gesichert.  Und da ist der Unterzeichnerstaat Russland eingeschlossen. Damit das auch weiter so bleibt, appelliert er in dramatischen Worten an „Präsident Putin:“

“ Lösen Sie die Schlinge um den Hals der Ukraine! Suchen Sie mit uns einen Weg, der Frieden in Europa bewahrt!“

Im dem Krieg, den Russland der Ukraine aufgezwungen hat, ist in der Wahrnehmung der westlichen Öffentlichkeit Anfang April ein Wandel eingetreten. Bilder aus dem nordwestlich von Kiew gelegenen Butscha, aus dem die russische Armee sich zurückgezogen hat, haben diesen Schock ausgelöst. Geschätzt 400 Zivilisten liegen auf den Straßen mit Anzeichen für Folter, Vergewaltigung und weitere Scheußlichkeiten. Jetzt wird von Kriegsverbrechen gesprochen. Und von neuen europäischen harten Sanktionen gegen Russland.

Unter diesem Druck hat Bundespräsident Steinmeier nun erstmals eingeräumt, es sei falsch von ihm gewesen, das Projekt North Stream 2 unterstützt zu haben. „Wir haben an Brücken festgehalten, an die Russland selbst nicht mehr geglaubt hat und vor denen Partner uns gewarnt haben.“  (vgl. dazu hier unsere Kritik am Präsidenten)

Die Wahrnehmung seiner Rolle seit seiner Wiederwahl

Es ist wichtig, dass der höchste Repräsentant unseres Staates, sich in der Lage sieht, einen Fehler einzugestehen.

Früher als die Regierung hat er die Gefahr eines neuen Krieges in Europa als allein in Russlands Verantwortung stehend  benannt. Das war in der Rede nach seiner Wiederwahl zum Bundespräsidenten, also zu Beginn seiner 2. Amtszeit, elf Tage bevor Russland den Krieg begann. Fast alle Anderen sagten am Morgen nach Kriegsbeginn, am 24.2.2022, sie hätten sich einen russischen Angriffskrieg nicht vorstellen können. Und vier Wochen später war es auch der Bundespräsident, der uns Deutschen fast als Erster  klar und deutlich sagte, „viele Härten liegen erst noch vor uns“.

Aber eine weitere Aufarbeitung durch die SPD findet nicht statt

Vor einem guten Jahr haben wir geschrieben, der Bundespräsident möge in Anbetracht vieler Fehlentscheidungen der deutschen Politik gegenüber den Ländern in Osteuropa eine Kommission einsetzen. Bestückt mit Experten für Osteuropa solle diese die Fehler deutscher Regierungen der Nachkriegszeit, auch jene der SPD, aufarbeiten.

Gerade für die Frage der Waffenlieferung durch Deutschland wäre das eine wichtige Voraussetzung für adäquates und gerechtes Handeln heute. Die Phrase „Waffenlieferungen so viel und so lange wie nötig“ anstelle eines klaren Bekenntnisses zum Sieg der Ukraine würde durch eine Aufarbeitung der Fehler der deutschen Regierung als erneute Fehlentscheidung entlarvt. Dies ist eine Flucht aus der Verantwortung, die wir für die Ukraine haben.

Artikel teilen
Link kopiert

Über die Autoren

Prof. Dr. Bernd-Peter Lange

Dr. Jutta Lange-Quassowski

Der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler Bernd-Peter Lange studierte Rechts- und Staatswissenschaften in Bonn, wo er die 1. jur. Staatsprüfung 1963 ablegte. 1966 erwarb er den Diplom Volkswirt und wurde 1967 zum Dr. jur. promoviert.

Nach seiner Mitarbeit am Institut für Konzentrationsforschung an der Freien Universität Berlin hat er 1972 eine umfassende Analyse der Antitrust-Politik in de n USA veröffentlicht.

Zunächst war er drei Jahre als Assistenzprofessor am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der FU Berlin tätig. Von 1974 bis zu seiner Emeritierung 2004 hatte er einen Lehrstuhl für Wirtschaftstheorie an der Universität Osnabrück. Neben der Lehrtätigkeit war er stark in der akademischen Selbstverwaltungengagiert. Gleichzeitig war er Mitglied in zahlreichen Kommissionen der wissenschaftlichen Politikberatung sowohl auf der Ebene einzelner Bundesländer wie auch auf der Ebene der Bundesrepublik.

Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören Medienökonomie, Technik-Folgenabschätzung und Krisenanalysen aus wirtschaftlicher, sozialer und rechtlicher Sicht.

Eine neue Aufgabe

Von Anfang 1993 bis Ende 1999 war er beurlaubt, um das Europäische Medieninstitut in Düsseldorf als dessen Generaldirektor zu leiten. Das Institut hatte Mitarbeiter aus 12 verschiedenen Ländern. Schwerpunkte der Arbeit dort waren

  • die unabhängige Beobachtung der Medien bei Wahlen in zentral- und osteuropäischen Ländern im Auftrag der EU Kommission mit mehr als 30 umfassenden Missionen
  • die jährliche Veranstaltung eines europäischen Film- und Fernsehforums, jeweils in einem anderen europäischen Land und
  • die vergleichende Medienforschung.

Er hat zahlreiche Artikel und umfassende Publikationen zu den Forschungsschwerpunkten verfasst, sowie zu den Themen des Europäischen Medieninstituts.

Er ist Inhaber des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse seit Mai 2001.

Dr. Jutta Lange-Quassowski, seine Frau ist Diplom Politologin (Berlin) und promovierte in Göttingen zum Dr. disc. pol.

Sie leitete gut 25 Jahre die Ernst-Strassmann-Stiftung. Schwerpunkt der Arbeit war die Aufarbeitung der deutschen Vergangenheit.

Zusätzlich ist sie kontinuierlich ehrenamtlich tätig und ist intensiv in die Arbeit an Europaedia eingebunden.

Sie sind glücklich verheiratet und haben 3 Söhne und 3 Enkelkinder.

Fakten, Mythen und die Seele Europas.

Bei Europaedia geht es um die verständliche Präsentation von Fakten und das Hinterfragen von Narrativen. Wir wollen nicht nur Probleme aufzeigen, sondern auch die „Seele“ der europäischen Gemeinschaft – ihre Kultur und Werte.

Wir verwenden Cookies und ähnliche Technologien, um das Nutzererlebnis auf unserer Website zu verbessern, den Datenverkehr zu analysieren und Inhalte zu personalisieren. Dabei werden auch personenbezogene Daten (z. B. IP-Adressen) verarbeitet und ggf. an Drittanbieter weitergegeben.

Akzeptieren
Ablehnen
Manuell konfigurieren

Datenschutz-Einstellungen

Essentielle Cookies

Erforderlich

Auswahl speichern
Alle akzeptieren
Thank you! Your submission has been received!
Oops! Something went wrong while submitting the form.