Baltikum, Abkopplung vom russischen Stromnetz ab 7.Februar 2025

Datum

28.5.2025

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4 Minuten

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Prof. Dr. Bernd-Peter Lange

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

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Prof. Dr. Bernd-Peter Lange

Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Strominfrastruktur der drei Baltischen Staaten wird von Russland getrennt

Nach Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine haben Estland, Lettland und Litauen ihre Stromimporte und auch Exporte aus und nach Russland komplett eingestellt. Die drei EU- und NATO-Länder sind allerdings noch Teil eines gemeinsamen, synchron geschalteten Stromnetzes mit Belarus und Russland und einem Kernkraftwerk in Leningrad. Das sog. Brell-Ringsystem  hatte die UdSSR geschaffen.

Der Brell-Vertrag läuft am 7. Februar aus. Das haben die Betreiber des Stromübertragungsnetzes der drei Staaten den russischen und belarussischen Strom-Übertragungsnetzbetreibern am 16.7.2024 mitgeteilt. Das Energiesystem der baltischen Staaten wird danach synchron an das Energiesystem Kontinentaleuropas angeschlossen. Diese Synchronisierung ist der letzte Schritt zur Unabhängigkeit des Baltikums im Bereich der Stromversorgung.

Vereinbarung mit Europäischer Kommission 2018

Laut dieser sollte der Wechsel erst Ende 2025 stattfinden. Aufgrund der Aggressionen Russlands gegen die Ukraine haben die Staaten des Baltikums jedoch auf eine frühere Umsetzung der Trennungsabsicht gedrängt: lieber 2024 als 2025. Das scheiterte an der Umsetzbarkeit. Über Land wird der Interkonnektor LitPol-Link eine Leitung von Polen nach Litauen sein. Außerdem soll der Harmony-Link geschaffen werden, ein 330 km langes Unterseekabel von Polen nach Litauen. Dessen Inbetriebnahme kann  allerdings vermutlich erst 2028 stattfinden.

Störung der Strominfrastruktur durch russische Tanker

Am 1. Weihnachtstag 2024 hat mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Öl-Tanker der russischen Schattenflotte (Angaben der EU) ein Unterseekabel in der Ostsee zerrissen. Es handelt sich um Estlink 2, eine Verbindung von Estland mit Finnland. Finnland konnte das Schiff festsetzen, bevor es wieder internationale Gewässer erreicht hatte. Spuren am Tanker weisen auf die Beschädigung durch die Ankerkette hin, außerdem gibt es eine 60km lange Schleifspur durch den Anker am Meeresboden.

Die Balten betrachten den Vorfall als klare Eskalation mit dem Ziel, die Trennung infrage zu stellen. Es handelt sich um einen hybriden Angriff. Er führte u.a. zu einer kurzzeitigen fünffachen Erhöhung von Strompreisen in Estland. Die baltischen Strombetreiber gehen allerdings nicht davon aus, dass dieser Vorfall ein Risiko für die Loslösung der Verbindung zum russischen Netz darstellt. Jedoch haben sie keinerlei Aufheben von ihren Plänen gemacht. Denn als die Ukraine Anfang der zwanziger Jahre ähnliche Pläne verfolgte, begann Russland mit dem völkerrechtlichen Angriffskrieg auf das Land.

Litauen und Polen haben deshalb den Schutz des grenzüberschreitenden Stromkabels LitPol Link verstärkt durch Überwachung, physische Verstärkung und verstärkte Koordination. In der EU gehen alle davon aus, der Anschluss der Balten ein Schritt ist, der „die umfassendere Vision eines sicheren, vernetzten und widerstandsfähigen europäischen Energiemarktes stärkt“.

Kosten für die Synchronisation

Zunächst ist festzuhalten, dass der Schritt der Balten ein konsequenter, aber überfälliger Schritt zu mehr Unabhängigkeit vom russischen Aggressor ist. Der EU-Beitritt der drei Staaten ist Anfang des Jahrtausends, am 1. Mai 2004 erfolgt, also vor gut 20 Jahren. Wie die Zerstörung von Ostseekabeln zeigt, machen geopolitische und geoökonomische Überlegungen die Abkopplung dringend notwendig.

Die Akteure schätzen die Kosten auf insgesamt ca. 1,6 Milliarden Euro. Die EU wird davon 75 % übernehmen.

Aktuell  versucht eine Gruppe von Rechtsexperten zu klären, wie mit Schiffen der Schattenflotte rechtlich im Rahmen des UN-Seerechts umgegangen werden kann. Dafür sollen sie rechtliche Leitlinien entwickeln.  Und die NATO hat auf einem Gipfeltreffen der Ostsee-Alliierten vom 14. Januar 2925 eine neue Militäroperation namens Baltic Sentry ausgerufen. Angesichts mehrfacher Verletzungen von Ostseekabeln soll das die Marinepräsenz mit neuen Fregatten, Aufklärungsflugzeugen und Unterwasserdrohnen erhöhen. Auch die Reparaturmöglichkeiten sollen schneller in Angriff genommen werden.

Eine Recherchegruppe hat Anfang Februar 2025 herausgefunden, dass drei deutsche Werften allein elf veraltete Tanker der russischen Schattenflotte an die Türkei und an China verkauft haben. Die Länder haben sie dann weiter verkauft.

Tschechien wird unabhängig von allen Öllieferungen aus Russland

Das ist zwar ein anderes Thema, aber angesichts des imperialistischen  Angriffskrieges von Russland vom Februar 2022 auf der gleichen geopolitischen Linie. 1964 begann das Projekt der transalpinen Versorgung Süddeutschland und Österreichs mit Rohöl, das in Italien in der Bucht von Triest angeliefert wird. In nur drei Jahren waren die Leitungen hoch über die Alpen fertig gestellt. Die Leitungen, die über den Alpenkamm gehen, versorgen die Raffinerien von Bayern und Baden Württemberg zu 100% und die von Österreich zu 90%.

Jetzt freut sich der tschechische Ministerpräsident, dass die TAL-PLUS fertiggestellt ist und die Abhängigkeit seines Landes von russischem Öl in 2025 vollständig beendet. Nach Angaben des Finanzministers decken die Einnahmen des Öl-Pipelinebetreiber MERO die Kosten für die Erweiterung der Leitungen vollständig. So wird nicht mal der Staatshaushalt belastet.

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Über die Autoren

Prof. Dr. Bernd-Peter Lange

Dr. Jutta Lange-Quassowski

Der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler Bernd-Peter Lange studierte Rechts- und Staatswissenschaften in Bonn, wo er die 1. jur. Staatsprüfung 1963 ablegte. 1966 erwarb er den Diplom Volkswirt und wurde 1967 zum Dr. jur. promoviert.

Nach seiner Mitarbeit am Institut für Konzentrationsforschung an der Freien Universität Berlin hat er 1972 eine umfassende Analyse der Antitrust-Politik in de n USA veröffentlicht.

Zunächst war er drei Jahre als Assistenzprofessor am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der FU Berlin tätig. Von 1974 bis zu seiner Emeritierung 2004 hatte er einen Lehrstuhl für Wirtschaftstheorie an der Universität Osnabrück. Neben der Lehrtätigkeit war er stark in der akademischen Selbstverwaltungengagiert. Gleichzeitig war er Mitglied in zahlreichen Kommissionen der wissenschaftlichen Politikberatung sowohl auf der Ebene einzelner Bundesländer wie auch auf der Ebene der Bundesrepublik.

Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören Medienökonomie, Technik-Folgenabschätzung und Krisenanalysen aus wirtschaftlicher, sozialer und rechtlicher Sicht.

Eine neue Aufgabe

Von Anfang 1993 bis Ende 1999 war er beurlaubt, um das Europäische Medieninstitut in Düsseldorf als dessen Generaldirektor zu leiten. Das Institut hatte Mitarbeiter aus 12 verschiedenen Ländern. Schwerpunkte der Arbeit dort waren

  • die unabhängige Beobachtung der Medien bei Wahlen in zentral- und osteuropäischen Ländern im Auftrag der EU Kommission mit mehr als 30 umfassenden Missionen
  • die jährliche Veranstaltung eines europäischen Film- und Fernsehforums, jeweils in einem anderen europäischen Land und
  • die vergleichende Medienforschung.

Er hat zahlreiche Artikel und umfassende Publikationen zu den Forschungsschwerpunkten verfasst, sowie zu den Themen des Europäischen Medieninstituts.

Er ist Inhaber des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse seit Mai 2001.

Dr. Jutta Lange-Quassowski, seine Frau ist Diplom Politologin (Berlin) und promovierte in Göttingen zum Dr. disc. pol.

Sie leitete gut 25 Jahre die Ernst-Strassmann-Stiftung. Schwerpunkt der Arbeit war die Aufarbeitung der deutschen Vergangenheit.

Zusätzlich ist sie kontinuierlich ehrenamtlich tätig und ist intensiv in die Arbeit an Europaedia eingebunden.

Sie sind glücklich verheiratet und haben 3 Söhne und 3 Enkelkinder.

Fakten, Mythen und die Seele Europas.

Bei Europaedia geht es um die verständliche Präsentation von Fakten und das Hinterfragen von Narrativen. Wir wollen nicht nur Probleme aufzeigen, sondern auch die „Seele“ der europäischen Gemeinschaft – ihre Kultur und Werte.

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